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Amazon-Chef Jeff Bezos sollte sich vor dem US-Kongress vor allem wegen Amazons möglichem Missbrauch der Daten seiner Marktplatz-Händler verantworten – dabei kam der reichste Mensch der Welt etwas ins Rudern, klare Antworten gab es aber kaum.

Jeff Bezos
Screenshot ©YouTube: House Judiciary

Die großen Tech-Konzerne haben zu viel Macht und nutzen diese aus – das ist die Hauptkritik, wegen der der Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses seit über einem Jahr Amazon, Apple, Facebook und Google untersucht. Am Mittwochabend, dem 29. Juli, sollten die Chefs der „Big Four“ erste Antworten liefern. Für Amazon-Chef Bezos war es der erste Auftritt dieser Art. Der Gründer lavierte erwartungsgemäß durch die Fragen, musste aber auch sein Unwissen in manchen Bereichen eingestehen – oder vortäuschen?

Was sagt Amazon-Chef Bezos zu den Eigenmarken-Vorwürfen?

Im Fokus von Amazons Befragung stand unter anderem der oft gehörte Vorwurf, dass Amazon die Daten seiner Marktplatz-Händler nutze, um daraus selbst Produkte zu entwickeln und so die Konkurrenz auszustechen. Die ersten zwei Stunden der insgesamt über fünfstündigen Anhörung blieb Bezos verschont, dann nahm die Seattle-Abgeordnete Pramila Jayapal den Amazon-Chef ins Visier, wie Techcrunch im Originaldialog zeigt.

Jayapal: „Hat Amazon Zugang zu den Daten von Drittverkäufern und verwendet diese bei Geschäftsentscheidungen?“

Bezos: „Diese Frage kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Ich kann Ihnen sagen, dass wir eine Richtlinie gegen die Verwendung von verkäuferspezifischen Daten zur Unterstützung unseres Private-Label-Geschäfts haben, aber ich kann Ihnen nicht garantieren, dass diese Richtlinie nie verletzt wurde.“

Als Bezos weiter gefragt wird und detaillierte Vorwürfe ehemaliger Amazon-Mitarbeiter in einem Artikel des Wall Street Journals genannt werden, windet sich der Amazon-Chef. „Wir gehen dem weiterhin sehr sorgfältig nach, ich bin noch nicht zufrieden, dass wir der Sache noch nicht auf den Grund gegangen sind. Es ist nicht so einfach, wie Sie denken, denn einige der Quellen in dem Artikel sind anonym.“ Der Amazon-Chef verwies bei weiteren Nachfragen dazu auf die Richtlinien von Amazon und dass man den Fall untersuche.

Bezos: „Der Verbraucher ist derjenige, der die Entscheidungen trifft“

Auch der Vorsitzende des Ausschusses David Cicilline wollte mehr Klarheit vom Amazon-Chef und fragte Bezos sinngemäß, ob es nicht ein Interessenkonflikt sei, wenn Amazon sowohl Anbieter eines Marktplatzes ist als auch selbst als Händler darauf auftritt. Bezos' Antwort wich aber wieder aus: „Danke... nein, ich glaube nicht. Wir haben... der Verbraucher ist letztendlich derjenige, der die Entscheidungen darüber trifft, was man kauft, zu welchem Preis man es kauft, von wem man es kauft.“

Zu anderen Kritikpunkten sagte Bezos, er könne die Frage nicht beantworten oder sich nicht an bestimmte Vorfälle erinnern. Auch die anderen Tech-Chefs glänzten eher mit ausweichenden Ausführungen und wiesen die vorgebrachten Vorwürfe zurück, wie OnlinehaendlerNews berichtet. 

Was sagt US-Präsident Trump zur Untersuchung?

Der Ausschuss wird basierend auf der gesamten Untersuchung und der Anhörung dem Kongress weitere Schritte zur Marktregulierung und dem Vorgehen gegen die Tech-Giganten vorschlagen. Auch Bezos-Spezi Donald Trump hatte sich zwischenzeitlich via Twitter in die Debatte eingeschaltet und droht mit Dekreten, falls es der US-Kongress nicht schaffe, Fairness im Bereich Big Tech zu schaffen. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner