Das erst 2021 gegründete Biotech-StartUp Altos Labs untersucht eine Methode zur Neuprogrammierung von Zellen. Unter den Investoren soll Jeff Bezos sein.

Jeff Bezos
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Wie das Magazin MIT Technology Review berichtet, wurde Altos Labs erst Anfang 2021 in den USA und Großbritannien gegründet und rekrutiert derzeit Wissenschaftler zum Ausbau mehrerer Standorte. Die Forschung an einer potenziellen Anti-Aging-Methode mittels der Neuprogrammierung von Zellen wird dabei einem Insider zufolge unter anderem von Jeff Bezos finanziert. Das genaue Ausmaß von Bezos’ Investment ist unbekannt, und auch eine Bestätigung seitens seines Investmentbüros Bezos Expeditions gibt es bisher nicht.

Insgesamt soll das Forschungsunternehmen mittlerweile 270 Millionen US-Dollar wert sein. Gewinne und konkrete Produkte stehen dabei nicht auf dem vorläufigen Geschäftsplan. Viel mehr möchte man einen Raum zur freien kreativen Forschung ohne Produktionsdruck schaffen. Dafür bietet Altos Labs seinen Wissenschaftlern Gehälter wie sonst bei Top-Sportlern üblich. Bis zu einer Million US-Dollar pro Jahr sollen im Angebot sein. 

Altos Labs hat auch Nobelpreisträger an Bord

Der spanische Biomediziner Manuel Serrano ist einer der Wissenschaftler, die Altos Labs für sich gewinnen konnte. Er sagte gegenüber MIT Technology Review: „Die Philosophie von Altos Labs ist es, von Neugier getriebene Forschung voranzutreiben. So kann ich am besten arbeiten und liebe es, was ich tue. Mit diesem Privatunternehmen haben wir Wissenschaftler die Freiheit um kühn zu sein und zu forschen. Damit verjüngt das Projekt immerhin mich.“

Einer der führenden Wissenschaftler von Altos Labs ist Shinya Yamanaka, der 2012 einen Nobel-Preis für seine Entdeckung bekam, dass durch das Einfügen von nur vier Proteinen, welche mittlerweile als Yamanaka-Faktoren bekannt sind, eine Zelle zum Status einer Stammzelle zurückgeführt werden kann. Diese Re-Programmierung von Zellen ist nun die Grundlage der weiterführenden Forschungen von Altos. Dem Spanier Juan Carlos Izpisúa Belmonte gelang es bereits 2016, diese Zellverjüngung an lebenden Mäusen erfolgreich zu testen. Belmonte ist nun ebenfalls Teil des Altos-Teams.

Bezos wollte sich nach seinem Rücktritt von der Amazon-Führung unter anderem philanthropischen Projekten widmen. Bezos unterstützte bereits 2018 das Unternehmen Unity Biotechnology, welches an einer Verlängerung des menschlichen Lebens forscht.

Der unsterbliche Bezos?

Bereits in seinem Abschiedsbrief an die Amazon-Aktionäre schrieb Jeff Bezos das folgende Zitat des Biologen Richard Dawkins: „Den Tod abzuwenden ist etwas, auf dass man hinarbeiten muss. Wenn lebendige Dinge nicht aktiv daran arbeiten diesen zu verhindern, gehen sie zwangsläufig irgendwann in ihrer Umgebung auf und hören auf als autonome Lebewesen zu existieren. Das ist es, was wir Tod nennen.“ 

An sich meinte Bezos in diesem Brief damit wohl nur den Kampf von Unternehmern um Wirtschaftsvormacht und Dominanz. Doch nun klingt es fast so, als würde das Zitat auch seinen eigenen Kampf gegen die biologische Uhr ansprechen.

 

Kritik an Stammzell-Methode

Jedoch warnt Alejandro Ocampo, ein Ex-Kollege des Altos-Forschers Belmontes, dass derartige Forschung noch weit am Anfang stehe und auch große Gefahren birge: „Ein Problem der Neuprogrammierung von Zellen ist es, dass die Zellen dadurch nicht nur verjüngt werden, sondern ihre ganze Identität verändert wird, so würde beispielsweise aus einer Hautzelle eine Stammzelle werden. Dadurch ist die Technologie zu gefährlich, um sie zum aktuellen Zeitpunkt an Menschen zu testen.“ Die getesteten Mäuse belegen dies, sie entwickelten tumorartige Auswucherungen.

/ Geschrieben von Ricarda Eichler