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Amazon sammelt detaillierte Daten über seine Kindle-Nutzer und hortet sie über lange Zeit, so die Kritik einer US-Journalistin.

Kindle
Melpomene / shutterstock.com

Die US-Journalistin Adrianne Jeffries wollte von Amazon wissen, welche Daten das Unternehmen unter anderem bei der Nutzung des beliebten E-Book-Readers Kindle abruft. Das Ergebnis: Amazon sammelt jede noch so kleine Information und bewahrt sie überdurchschnittlich lang auf, berichtet der Standard. 

90.000 Zeilen mit Kindle-Nutzungsdaten

Als Antwort von Amazon erhielt die Journalistin die Datei „Devices.Kindle.Reading.Actions“, eine Tabelle mit rund 90.000 Zeilen – alle Infos über das Lesen mit ihrem Kindle, darunter nicht nur Buchtitel und Co., sondern auch die genauen Zeiten des Umblätterns und welche Aktion jeweils ausgelöst wurde. „Amazon scheint wirklich jedes Tippen auf dem Kindle zu verfolgen“, schreibt Jeffries auf Twitter.

Viele Nutzer sehen die Datensammelei kritisch. „Das Zeug ist alles Spionageausrüstung.“ und „Absolut erschreckend. (...) Haben die Menschen eine Vorstellung davon, wie wertvoll diese Daten für Verhaltensmanipulation sind?“ lauten einige der Kommentare auf Twitter.

Was macht Amazon mit den Daten der Kindle-Nutzer?

Amazon nutzt die gesammelten Daten unter anderem für die Berechnung der individuellen Lesegeschwindigkeit, um so vorhersagen zu können, wie lange der Nutzer für das aktuelle Buch noch braucht. Außerdem werden die E-Book-Autoren anhand der gelesenen Seiten bezahlt. Doch diese Berechnung könnte auch auf dem Gerät selbst stattfinden, so die Kritik. Unklar ist auch, warum Amazon die Daten in seinen Servern so lange speichert: Jeffries Kindle-Nutzungsdaten stammen von Januar 2018, sind also rund zwei Jahre alt. Vermutet wird, dass die Daten zu Werbezwecken und zur Gestaltung des Kindle-Interface genutzt werden.

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner


Kommentare

#3 P.U.Baer 2020-02-12 09:43
Ein weiterer Grund für das gute alte Buch aus Papier.

@ John Smith: Das Problem ist NICHT die Lesedauer. Das Problem ist, WELCHE BÜCHER jemand liest. Und in Zeiten in denen 50% der Amerikaner einem Lügensender wie Fox News vertrauen und einen korrupten und die Justiz bekämpfenden Präsidenten wählen, stellt so etwas leider eine reale Gefahr dar.

Deutschland ist ein Land, in dem mal Bücher verbrannt wurden und in dem Eltern für den Konsum der "falschen" Radiosender (West-Radio, BBC etc.) oder das Schauen des "falschen" Sandmännchens, oder die falsche Ausrichtung der Fernsehantenne erheblich bestraft wurden. Wir kennen uns hier mit zwei Diktaturen aus. Deshalb ist es gut, wachsam zu bleiben und auch die zu warnen, die das alles "nicht so bedrohlich" finden.

Das hat nichts mit Verschwörungsth eorien zu tun. Cambridge Analytica hatte einen realen Einfluss auf mindestens zwei wichtige Abstimmungen: US-Wahl 2016 und Brexit-Referend um.
#2 Ruprecht Frieling 2020-02-11 16:04
Das ist keine AMAZON-Besonderheit!

Ich bin bei Facebook ähnlich vorgegangen und zwar für zehn Jahre Mitgliedschaft (auch die mehr als zehnjährigen Daten lagen sauber gespeichert vor!).

Nach dem Öffnen präsentierten sich mir 469.577.847 Byte Datenmaterial mit 3.983 Objekten. Diesen gewaltigen Datenberg, ausgedruckt wären es mehr als 5.000 Seiten, hat Facebook über mich gespeichert, und es wird jeden Tag mehr …
#1 John Smith 2020-02-10 15:20
"Daten für Verhaltensmanip ulation". Ja, dein leben ist echt ruiniert, wenn Amazon veröffentlichen oder an die NSA weitergeben würde, wie viel Minuten du brauchst um eine Seite zu lesen. Die Leute und ihre Verschwörungsth eorien gehen mir langsam echt auf die nerven



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