Ein Jahr nach dem Kauf der Washington Post durch Jeff Bezos, munkelt die Medienbranche noch immer, was Bezos mit der Zeitung vorhat.

© Wikimedia/Michael Fleischhacker

Was hat Amazon mit der Washington Post vor? Jeff Bezos kaufte die ehrwürdige US-Zeitung im vergangenen Jahr für offiziell 250 Millionen US-Dollar. Zu einem Zeitpunkt, als auch die Washington Post ihre besten Tage hinter sich gelassen hat und mit rückläufigen Auflagen und Einnahmen zu kämpfen hatte. Rund ein Jahr danach, lässt sich erahnen was Jeff Bezos mit der Zeitung vorhat.

Vor zehn Jahren war die Zeitung noch 2,5 Milliarden US-Dollar wert

Kaum einer hatte erwartet, dass die Washington Post, die vor allem durch die Aufdeckung der „Watergate Skandal“ und die Erlangung von 47 Pulitzer Preisen zu Weltruhm kam, von einem dem Journalismus fernen Unternehmer gekauft werden würde. Als Jeff Bezos die Zeitung im August 2013 mit seinem Privatvermögen kaufte, bezeichnete die Medienbranche die Washington Post als Baustelle. Wohl deshalb hat Bezos die Zeitung für einen Schnäppchenpreis bekommen, denn zehn Jahre vorher war die Zeitung noch 2,5 Milliarden US-Dollar wert gewesen.

Seitdem hat Jeff Bezos – der auch einen Anteil am US-Magazin Business Insider hält – stets betont, seine Akquisition der Washington Post beruhe auf ein privates Interesse und habe nichts mit Amazon zu tun. Dass das so nicht stimmt, zeigen allerdings einige Entwicklungen die es seit dem Kauf gab.

"Jetzt-Kaufen"-Buttons zwischen den Berichten

So kritisieren Medienexperten immer wieder, dass es in der Washington Post seitdem keine kritischen Berichte mehr über Amazon gebe und man dafür stattdessen die New York Times lesen müsste.

Das bislang brisanteste Ereignis fand allerdings vor wenigen Wochen statt. Obwohl Jeff Bezos betont, die Washington Post hätte nichts mit Amazon zu tun, fanden sich plötzlich „Kaufen-Buttons“ unter zahlreichen Artikeln der Online-Ausgabe. So fand sich zum Beispiel in der Rubrik „Lifestyle“ ein Bericht über das Kinderbuch „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und innerhalb des Artikels waren „Jetzt-Kaufen“-Links auf Bücher von Amazon.com eingebaut. Der Tweet von Hunter Walk zeigt, wie die Kaufen-Buttons in der mobilen Version der Washington Post aussahen:


Auch in der Rubrik „Wirtschaft“ fand sich ein Bericht, der mit „Jetzt-Kaufen“-Links versehen war. Amazon gab später bekannt, dass die Links zu Produkten von Amazon in den Washington Post-Berichten versehentlich gesetzt worden waren.

Aktuell hat Jeff Bezos einen neuen Herausgeber für die Washington Post bestimmt. Es ist Frederick J. Ryan, ehemaliger Mitbegründer des Online-Magazins Politico.

 






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