Verstößt Amazon in seinen Warenlagern gegen Mitarbeiterrechte? Das prüfen derzeit offenbar Datenschützer in Niedersachsen. Sie haben dem Lager in Winsen einen Besuch abgestattet.

Mitarbeiterin im Amazon-Warenlager
© Amazon.de

Mitarbeiter des Niedersächsischen Datenschutzes haben das Amazonlager in Winsen besucht, um sich ein Bild über die Videoüberwachung im Lager zu verschaffen. Wie der NDR berichtet, wollen die Fachleute sich einen Eindruck darüber verschaffen, inwieweit das Personal von den Maßnahmen Amazons betroffen ist. Es sei nicht klar, ob im Rahmen der Videoüberwachung persönliche Daten etwa über das Arbeitsverhalten und die Arbeitsleistung erfasst und von Amazon für die Personalführung verwendet werden.

Der NDR hatte zuvor im Dezember die Frage aufgeworfen, ob Amazon in seinen Versandzentren gegen Mitarbeiterrechte verstoße. Das Medium hatte einen Reporter im Weihnachtsgeschäft verdeckt in das Logistikzentrum in Winsen an der Luhe eingeschleust. Bei dem Zentrum handele es sich dem NDR zufolge um das „modernste Logistikzentrum Deutschlands“.

„Fast alles, was ich tue, wird irgendwie überwacht“

„Der Amazon-Computer erfasst jede Bewegung aller Teile, die ihm dienen, auch die der Menschen“, heißt es in dem Bericht. „Wie viele Artikel werden pro Minute umgelagert? Wie viele pro Stunde? Ist es effizient genug?“ In der zweiten Arbeitswoche sei der Reporter „wohl etwas langsamer“ gewesen – unbeabsichtigt. Das sei der Vorarbeiterin aufgefallen, die sich dann erkundigt habe, warum die Rate niedriger als sonst ausfalle. „Fast alles, was ich tue, wird irgendwie überwacht“, resümiert der Reporter. „Und das nicht nur vom Computer. Ich entdecke Dutzende Kameras – in den Gängen, im Arbeitsbereich.“

Diese augenscheinliche Überwachung mache vielen im Werk Angst, heißt es im Bericht weiter. Selbst in den Spindräumen der Arbeiter seien Kameras. „Hier bleibt nichts privat“, so das Urteil des Reporters.

Amazon sieht sich als guter Arbeitgeber

Ein Statement zu den Kameras von Amazon bleibt aus. Das Unternehmen wolle kein Interview zu dem „System der Überwachung“ geben. Man habe dem NDR nur schriftlich mitgeteilt, dass Amazon ein guter Arbeitgeber sei, einzelne Arbeitsschritte der Mitarbeiter würden nicht aufgezeichnet werden. Die erfassten Daten dienen dem Unternehmen zufolge dazu, die Abwicklung der Bestellungen zu beschleunigen, eine Überwachung an den Arbeitsplätzen bestreite Amazon. Und die Kameras in den Spindräumen seien dazu da, um Diebstähle vorzubeugen.

All das wird nun der Niedersächsische Datenschutz prüfen. Amazon stand in der Vergangenheit immer wieder wegen seiner Arbeitsverhältnisse in der Kritik.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers




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