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Amazon ist wie ein Organismus, der wächst und wächst und sich immer weiter ausbreitet. Überall, wo saftig-grüne und attraktive Lebensräume winken, lässt sich der Konzern nieder – immer mit Aussicht auf noch mehr Macht, noch mehr Einfluss und einer noch tieferen Verankerung im Leben der Verbraucher. Auch mit den neuesten Plänen untermauert Amazon seine Machtbestrebungen: Denn das Unternehmen scheint zu einer Art Bank werden zu wollen…

… oder zumindest fast. Denn Amazon bastelt aktuell an einem hauseigenen Bankangebot – oder besser gesagt an einem „Girokonto-ähnlichen Produkt“ für die eigenen Kunden.

Amazon Logo mit teuflischen Augen und Hörnern
© di Bronzino – Shutterstock.com / Tina Plewinski

Details sind rar

Noch weiß keiner so richtig, wie dieses Konto am Ende aussehen soll. Geschweige denn, ob es die langwierigen Prozesse bis hin zum tatsächlichen Marktstart überhaupt überlebt. Doch zumindest lotet Amazon die Potenziale und Möglichkeiten dieser Tage aus – Und das schafft nicht einmal Amazon ohne Hilfe:

Im vergangenen Herbst soll der Konzern die US-amerikanische Bankenszene aufgerufen haben, Vorschläge bzw. Entwürfe zu erarbeiten, wie ein solches kooperatives Produkt aussehen könnte. Namhafte Player wie die Finanzinstitute JP Morgan Chase oder auch Capital One Financial sollen dem Ruf gefolgt sein, sodass es bereits erste Gespräche gegeben habe – die sich allerding noch immer in anfänglichen Stadien befinden.

Erhebt sich die Bank des Bösen?

Als die Nachricht um die Bank-Ambitionen von Amazon im Netz aufflammten, konnte ich die Aufschreie der Kritiker schon in meinen Ohren klingeln hören!

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„Amazon ist der Teufel! Wenn Amazon zur Bank wird, werden die sensiblen Daten der Kunden zur Währung! Amazon wird eine Bank des Bösen errichten!!!“

Unweigerlich tauchten vor meinem geistigen Auge Szenerien aus verschiedenen Filmen auf, die den Pakt mit dem Bösen thematisieren…

 

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Aber alle teuflischen Lachen und Höllen-Vergleiche mal beiseite: Wie immer so zeigt sich auch bei diesem Projekt, dass Amazon kein naives Unternehmen mit überhöhten Zielen ist. Ganz im Gegenteil: Auch hier zeigen sich ausgeklügelte und wohl durchdachte Strategien. So will sich der Konzern die Lasten, welche die strikten Richtlinien und gesetzlichen Normen des amerikanischen Finanzmarktes mit sich bringen, beispielsweise nicht selbst aufbürden. Und das muss er auch nicht. Denn wenn Amazon gar nicht selbst als Bank auftritt, sondern diese Position einem erfahrenen Partner der Branche überlässt, können Stolpersteine bereits von Beginn an umgangen und die Erfolgschancen maximiert werden.

Girokonten von Amazon: Kann das gut gehen?

Na klar kann das gut gehen! Kunden vertrauen Amazon. Das belegen nicht nur die stetig wachsenden Kunden- und Verkaufszahlen, sondern auch Studien: Erst kürzlich hatte das Marktforschungsunternehmen Rogator eine Analyse durchgeführt, in welcher der „Kampf der Internet-Giganten um die Kundenbeziehung“ in den Blick gerückt wurde. Dabei zeigte sich, dass Kunden Amazon mehr Vertrauen entgegenbringen als Google.

Natürlich sind beide Unternehmen Datenkraken – immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Kunden zu analysieren, Daten in riesigen Mengen auszuwerten und für eigene Zwecke zu nutzen. Da muss man sich nichts vormachen. Aber es geht immer auch darum, wie man sich als Unternehmen präsentiert und ob man es schafft, eine emotionale und enge Beziehung zu den Kunden aufzubauen. Es geht darum, sich als seriöser, ehrlicher, verlässlicher Partner zu präsentieren. Und das tut Amazon. Der Erfolg gibt dem Konzern recht.

Außerdem dürften die meisten Kunden sowieso schon sensible Bankdaten bei Amazon hinterlegt haben – wenn man alle Services rund um Lieferung, Cloud oder Streaming nutzen möchte, kommt man da kaum drum herum. Aus Kundensicht ist der Schritt hin zu einem eigenen Amazon-Konto also nur noch gering. Zumal Amazon bereits eigene Visakarten vorweisen kann.

Des einen Freud …

… ist des anderen Leid. Und auch, wenn Konkurrenten und Kritiker immer schimpfen. Wenn man ehrlich ist, ist Amazon deshalb so erfolgreich, weil das Unternehmen oftmals den richtigen Riecher hat und nicht selten als erstes den mutigen Schritt hin zu neuen Ideen und Services wagt. Und sicher gibt es zahlreiche Handelsunternehmen, die sich wünschen, auch solche Ideen gehabt zu haben.

 

/ Geschrieben von Tina Plewinski





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