Amazon sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Unternehmen vor, dass Mitarbeiter angeblich eine „Vorstufe zur Abmahnung“ erhalten, sobald sie nach einer Pause zur Toilette gehen. Amazon selbst streitet das ab.

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Die Gewerkschaft Verdi hat schwere Vorwürfe gegenüber Amazon erhoben. Wie es in der entsprechenden Pressemitteilung heißt, sollen Mitarbeiter „auf ihr angebliches ‚Fehlverhalten‘“ hingewiesen werden, wenn sie beispielsweise die Toilette nach einer Pause aufsuchen. Die Rede ist von „Gesprächsnotizen“, die in derartigen Fällen verteilt worden sein sollen und als eine Art „Vorstufe zur Abmahnung“ fungieren. Erst vor Kurzem hatte Amazon mit ähnlichen Vorwürfen zu kämpfen, als es hieß, dass Mitarbeiter angeblich in Flaschen urinieren würde, um Produktionsziele zu erreichen.

Das ist jedoch nicht das Einzige, was in der Meldung kritisiert wird. So heißt es weiterhin vom für den Handel zuständigen Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: „Wer die Beschäftigten über Handscanner in jeder Sekunde überwacht und unter Druck setzt, ist einfach nur ein Unternehmer von Vorvorgestern.“ Zudem äußert Nutzenberger Unverständnis gegenüber der Tatsache, dass Amazon-Chef Jeff Bezos den Axel Springer Award erhalten hat (wir berichteten). „Die Ehrung solcher Verhaltensweisen durch das Verlagshaus Springer schädigt unseren Sozialstaat“, so Nutzenberger.

Amazon streitet Vorwürfe ab

Gegenüber Golem hat Amazon bereits auf die Vorwürfe reagiert. „Unsere Mitarbeiter können zu jeder Zeit die Toilette benutzen“, erklärt Amazon-Sprecher Michael Schneider. „Wir kontrollieren die Einhaltung von Toilettenpausen nicht.“ Bezüglich der Handscanner betont Schneider, dass diese angeblich von den Amazon-Mitarbeitern gut angenommen werden. „Die Scanner werden zur Nachverfolgung und Verstauung des Inventars und der Nachvollziehbarkeit von Kundenbestellungen genutzt.“

Abermals rief Verdi in dieser Woche an insgesamt sechs deutschen Standorten wie Leipzig und Werne zu Streiks auf. Die Gewerkschaft soll laut eigenen Angaben mit knapp 2.500 Streikenden gerechnet haben. Der Zeitpunkt der erneuten Streiks wurde durchaus bewusst gewählt, denn am dritten Mai war Nationalfeiertag in Polen, sodass Amazon laut Verdi „die Wirkung des Streiks durch Umleitung der Warenflüsse über polnische Lager kaum vermindern“ konnte.

 

/ Geschrieben von Christian Laude

Kommentare

#1 Avenger 2018-05-08 09:24
"So heißt es weiterhin vom für den Handel zuständigen Verdi-Bundesvor standsmitglied Stefanie Nutzenberger:"

Amazon D ist definitiv kein Händler, sondern ein Logistiker,

Das wird spätestens dann augenfällig, wenn Amazon den Versand für die Marketplace-Hän dler übernimmt.



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