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Auf Twitter hat sich eine Reihe von Accounts herausgebildet, die mit gleichem Namenszusatz und gleicher Aufmachung eine einheitliche Botschaft verbreiten wollen: Bei Amazon im Lager ist alles top, die Arbeitsbedingungen sind fair. Das wirkt aber alles andere als menschlich. 

Mann mit guter Laune
© Roman Samborskyi – Shutterstock.com

Die Accounts sind alle gleich aufgebaut: Hinter dem Namen des Nutzers findet sich der Zusatz „FC Ambassador“ (etwa: Logistikzentrum-Botschafter), als Titelbild der Profile ist das „Amazon-Lächeln“ abgebildet. Auch die Beschreibung der Accounts ist gleich aufgebaut: (Jobposition), @(Logistikzentrum). (Dauer) Amazonian. (2 bis 3 Dinge, die sie mögen). Die Botschaft, die die Accounts – von denen es TechCrunch zufolge mindestens 14 geben soll – ist die gleiche: Die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren von Amazon sind super, die Mitarbeiter werden von dem Unternehmen fair behandelt.

In den Tweets geht es um immer wieder dieselben Themen: Die Mitarbeiter haben immer wieder Pausen, um auf Toilette zu gehen, die Temperatur im Logistikzentrum ist wunderbar angenehm, die Löhne sind super und es gibt eine Menge Benefits, das Management ist freundlich und der Job alles andere als monoton oder anstrengend. Bei so manchen Tweets tropft die gute Laune quasi aus dem Bildschirm. Carol brennt beispielsweise sehr für ihren Job als Pickerin – und findet Jeff Bezos mehr als bemerkenswert. Dass sich in den Huldigungen dann auch Propaganda-Aussagen schleichen, geschenkt:

Botschafter werden vom Management bestimmt

Die Botschafter geben an, kein Geld für ihre Tätigkeit zu erhalten – es ei eine „vollkommen freiwillige Rolle“, die sie übernommen hätten. Zudem seien sie ganz gewöhnliche Logistik-Mitarbeiter. Hier kommt es aber zu einem Konflikt: Angesichts der ganzen längeren Tweets, in denen die Botschafter stündlich bekunden, wie gut es ihnen geht, würde ihre Arbeitsleistung im Logistikzentrum sicher leiden. Dass es nicht ganz so einfach ist, habe der ehemalige Amazon-Mitarbeiter Chris Grantham klargestellt:

„Als ich bei Amazon gearbeitet habe, haben die Botschafter einen bezahlten Urlaubstag zusätzlich bekommen und einen Gutschein nach dem Weihnachtsgeschäft. Das habe ich zumindest bekommen: Einen bezahlten Urlaubstag (den ich in den nächsten drei Wochen nehmen musste) und einen 50-Euro-Amazon-Gutschein. Dazu gab es noch Mittagessen: Kalte Platte und Sandwiches. […] Botschafter zu werden war ein Weg, um aus dem Beladen der Lkw herauszukommen oder Pakete für 10 bis 12 Stunden zu packen. Man konnte einen Tag lang seinen Botschafter-Job machen und dann für die nächsten drei Tage Lkw entladen. Ich habe nach einem Jahr aufgehört, weil es nicht mehr Geld brachte. Es ist freiwillig. Der Standortleiter wählt die Botschafter aus – im allgemeinen sind Botschafter die Schleimer der Abteilung.“

Dass die Accounts der Botschafter gleich gestaltet sind und dieselben Aussagen in oft auf gleichem Wortlaut verbreiten, stößt in der Netzgemeinde schlecht auf: Viele Nutzer vermuten Bots hinter den Accounts. Online Marketing stuft die Aktion jedenfalls als „aufgesetzt und lächerlich“ ein. Fraglich bleibt, ob auch im deutschsprachigen Raum bald Claqueure von Amazon aktiv werden.

 

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers





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