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Ein Amazon-Leiharbeiter prangert die Zustände in einem österreichischen Verteilzentrum an, Amazon hält dagegen.

Ein Arbeiter scannt bei Amazon
© Amazon

Der Niederländer Maarten N. arbeitet seit der Eröffnung im Herbst 2018 im Amazon-Verteilzentrum im österreichischen Großebersdorf. Jetzt klagt er die Bedingungen, unter denen er beschäftigt ist, an und hat sich an die österreichische Gewerkschaft gewandt. Das berichtet der Standard.

Arbeiter können Vorgaben nicht erfüllen

Vor allem der Druck, die Vorgaben zu erfüllen, macht dem Leiharbeiter zu schaffen. Der Scanner, mit dem die Produkte registriert werden, dokumentiert auch genau die Arbeitsleistung der einzelnen Mitarbeiter. Dabei seien die stets steigenden Leistungsziele, die Amazon vorgibt, kaum zu schaffen – und hätten sogar schon zu Unfällen geführt, wie der Mitarbeiter sagt. Verpassen die Leiharbeiter die Vorgaben, würden sie gekündigt. Das sei bei vier Kollegen schon passiert. Die über sie erhobenen Daten dürften die Arbeiter aber nicht einsehen.

Überwachung überall – außer in der Umkleide

Hinzu kämen fragwürdige Disziplinierungsmaßnahmen: Wenn die Mitarbeiter Fehler machen und zum Beispiel die falschen Arbeitsschuhe tragen, müssten sie danach einzeln Pakete scannen – während ein Verantwortlicher dabei stehe und über die Schulter schaue. Außerdem sei es verboten im Lager Handys, Uhren, Gürtel oder sogar Kaugummis bei sich zu haben, berichtet Maarten N. „Wer etwas dabeihat, steht unter Pauschalverdacht, es womöglich aus einem Paket entwendet zu haben.“ Überall gebe es Überwachungskameras, außer in den Umkleiden. Wenn man sich über die Arbeitsbedingungen beschwere, werde man zwischen verschiedenen Ansprechpartnern hin- und herverwiesen, heißt es. Kritik komme daher gar nicht an. Weiterer Kritikpunkt ist das Gehalt bzw. die Arbeitszeit. Nach dem intensiven Weihnachtsgeschäft sei die Arbeitszeit gekürzt worden, Leiharbeitern soll sogar mit Kündigung gedroht worden sein, wenn sie sich dem verweigerten.

Gewerkschaft sieht wenig Hoffnung

Auch die Privatangestellten-Gewerkschaft GPA-djp will gegen die Zustände bei dem Online-Händler vorgehen. „Wir wollen nicht, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei uns respektlos und menschenunwürdig behandelt werden“, sagt die Vorsitzende Barbara Teiber. Die Gewerkschaft will das Arbeitsinspektorat, die Gebietskrankenkasse und das Sozialministerium anrufen, sieht aber wenig Hoffnung. „Amazon ist sehr geschickt darin, die Grenzen auszuloten, in denen sie agieren können“, meint Teiber.

Amazon selbst bestreitet die Vorwürfe. „Wir denken nicht, dass die Vorwürfe die Wirklichkeit in unseren Gebäuden widerspiegeln. An allen unseren Standorten sind seit dem Start von Amazon sichere und attraktive Arbeitsplätze entstanden. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben dabei immer die höchste Priorität“, heißt es in einem Statement. 

Die Vorwürfe gegen die Arbeitsbedingungen bei Amazon reihen sich in eine lange Liste ein: Auch in den USA gab es Klagen über automatische Kündigungen von Mitarbeitern, weil sie Vorgaben nicht erfüllen konnten, teils weil Mitarbeiterinnen schwanger waren. In Großbritannien haben Arbeiter in Flaschen uriniert, um Zeit zu sparen und so die Vorgaben zu erfüllen. Derzeit versucht Amazon in den USA und England mit Gamification die Arbeitsbedingungen zu verbessern. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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