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Soll oder könnte Amazon tatsächlich zerschlagen werden?

Vorschlaghammer, der eine Wand durchbricht
ifong / Shutterstock.com

Die Debatte um Amazons schier überwältigende Marktmacht ist eine unendliche Geschichte. Seit Jahren klagen kleine und mittelständische Händler darüber, dass Amazon quasi unantastbar ist und ihnen zum Teil unfaire Verträge aufzwingt. Es heißt: Wer von der gigantischen Reichweite Amazons profitieren will, muss auch nach den Spielregeln des Konzerns spielen – ob er will oder nicht.

Zwar haben Verbraucherschützer und Kartellwächter Amazon seit Jahren im Blick und untersuchen dabei auch Prozesse, die vermeintlich wettbewerbswidrig sind, doch eine Zerschlagung sehen wohl weder Behörden noch Branchenverbände als adäquates Mittel. Warum das Wort „Zerschlagung“ dennoch immer mal als Forderung durch die Branche schwebt, ist klar: Ein solches Szenario wirkt auf den ersten Blick, als könnte es die Lösung für viele Probleme sein. Könnte …

Warum sollte jemand eine Zerschlagung wollen?

Jene, die eine Zerschlagung von Amazon fordern, haben dabei vor allem das Gleichgewicht des Marktes im Sinn: Amazon sammelt Daten von Händlern und Kunden und nutzt diese Daten dann, um selbst immer besser zu werden. Solange Amazon aber eine übermächtige Marktposition innehat und durch immer mehr Daten immer weiter wächst, kann der Prozess des Amazon-Wachstums wohl nicht gebrochen werden. Ein Teufelskreis.

Das ist schlecht: Für Händler, weil Amazon ein unerreichbarer Konkurrent ist. Für Kunden, weil Amazon langfristig Angebot und Service diktieren könnte. Und für den gesamten Markt, weil Amazon als Online-Riese den freien Wettbewerb verzerrt, so die Kritik.

Folgt man den Forderungen nach einer Zerschlagung, könnte diese Regulierungsmaßnahme Händler wieder in ein besseres Wettbewerbsverhältnis stellen und grundsätzlich für mehr Fairness sorgen. Klingt erstmal gut.

Entflechtung versus Zerschlagung

Zunächst einmal muss darauf verwiesen werden, dass es einen Unterschied gibt, ob man ein Unternehmen tatsächlich zerschlägt oder es „nur“ entflicht. Kurz gesagt: Bei ersterem verbietet man einem Unternehmen, ein Teilgeschäft auch in Zukunft anzubieten – hier würde es Amazon also verboten werden, einen Marktplatz zur Verfügung zu stellen UND GLEICHZEITIG auf ihm zu handeln. Bei einer Entflechtung werden einzelne Geschäftsbereiche quasi derart voneinander getrennt, dass beispielsweise Datenströme nicht mehr bereichsübergreifend verwendet werden dürften. Amazon dürfte also etwa Marktplatzdaten, die das Unternehmen über Dritthändler sammelt, nicht nutzen, um eigene Produkte besser zu verkaufen.

Wenn wir also von einer Zerschlagung sprechen, muss geklärt werden, ob Amazon tatsächlich der Verkauf eigener Produkte oder die Bereitstellung des Marktplatzes verboten werden soll.

Fragen über Fragen

Die Forderung nach einer Zerschlagung Amazons wirft jedoch auch noch andere, grundsätzliche – fast philosophische – Fragen auf:

Das deutsche Recht ist nicht darauf ausgelegt, Zerschlagungen von Unternehmen anzugehen. Inwieweit sollte hier in das Recht eingegriffen werden?

 Im hiesigen Recht gilt in der Regel das Prinzip des mildesten Mittels. Wäre unter diesem Gesichtspunkt eine Zerschlagung überhaupt adäquat oder auch nur denkbar?

 Eine potenzielle Zerschlagung soll mehr Fairness auf dem Markt garantieren. Doch WER bewertet eigentlich, was genau fair ist? Oder besser gefragt: WAS ist fair? Ist es fair, dass ein Unternehmen „gestutzt“ wird, nur weil es mit seinen Strategien über alle Maßen erfolgreich ist und bei den Kunden ankommt?

 Ab wann wird eine Marktmacht gefährlich? Und ist Erfolg ohne eine gewisse beeinflussende Marktmacht überhaupt möglich?

 Inwieweit sollte der Staat ÜBERHAUPT in privatwirtschaftliche Belange eingreifen? Sollte sich der Markt nicht lieber selbst regulieren?

 Als ein probates Mittel wurde vorgeschlagen, dass große Unternehmen verpflichtet werden, ihre gesammelten Daten weiterzugeben. Das wäre wirklich ein quasi bahnbrechender Schritt. Doch würde das der Branche Linderung verschaffen? Wären kleinere Unternehmen überhaupt in der Lage, mit solchen riesigen Datenmengen umzugehen? Hätten sie überhaupt Ressourcen bzw. Strategien, diese zu verwenden?

Fragen über Fragen, die sicher alles andere als leicht zu beantworten sind. An dieser Stelle möchte ich ein Zitat aufgreifen, das ich unlängst irgendwo gelesen habe: „Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.“

/ Geschrieben von Tina Plewinski


Kommentare

#1 Michael-Peter Bätz 2019-10-23 14:13
Ich habe vor 1 1/2 Jahren genau 6 Wochen mit Amazone als Verkaufsplattfo rm gearbeitet und dann begriffen,
mit wem man es zu tun hat. Ist ein Artikel bereits gelistet, hat man es schwer den gleichen günstiger anzubieten. Das geht halt einfach nicht. Läuft ein Artikel wie die Feuerwehr, dann ist es eine Frage der Zeit, wann Amazone diesen selbst verkauft.
Ich bin bei eBay und dort gibt es solche linke Touren nicht. Da herrscht Sauberkeit und Ordnung. Warum wechseln die Händler nicht einfach alle zu eBay, dann steht Amazone erst mal auf dem Trockenen, weil die Ochsen, die die Arbeit verrichten eben fehlen.
Dazu sind die Kosten viel zu hoch. Hier verdient nur Amazon sonst niemand.



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