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Einer der ersten Mitarbeiter von Amazon zeigt sich durchaus angetan von dem Gedanken, Amazon zu zerschlagen.

Hammer mit vielen Brocken drum herum
WHYFRAME / Shutterstock.com

Sollte Amazon aufgrund seiner gravierenden Marktmacht zerschlagen werden oder nicht? Über diese Frage wurde in den vergangenen Monaten immer mal wieder diskutiert. Die einen zeigen sich durchaus begeistert, andere argumentieren gegen ein Eingreifen vonseiten der Politik.

Nun hat sich auch einer der ersten Mitarbeiter von Amazon zu Wort gemeldet: Paul Davis aus Großbritannien gehörte in den 90er Jahren zu den ersten beiden Programmierern, die Amazon-Gründer Jeff Bezos damals angestellt hatte. Lange blieb Davis dem Online-Anbieter allerdings nicht treu: Bereits kurz nachdem Amazon offiziell an den Start gegangen war, verließ er das Unternehmen wieder. Nun plädiert er für eine Zerschlagung.

Kritik an Amazons Doppelrolle als Marktplatzbetreiber und Händler

Davis „sei beunruhigt von Berichten darüber, wie schlecht Amazon die Marketplace-Händler behandelt“, schreibt t3n mit Verweis auf das Branchenportal Recode. Besonders kritisch seien etwa Vorwürfe, nach denen Amazon Verkaufsdaten des hauseigenen Marktplatzes nutze, um Preise kleinerer Anbieter zu unterbieten. 

Es sei nicht gut, „dass das Unternehmen, das den Marktplatz betreibt, zugleich als Händler dort tätig ist“, wird Davis von t3n zitiert. Indem Amazon zugleich als Marktplatzbetreiber und Händler aktiv sei, könnte der Konzern die gesammelten Daten nutzen, um das Portal nach eigenen Interessen zu gestalten. Selbst wenn Amazon dabei nicht gegen vorhandene Vereinbarungen verstoße, widerspricht ein solches Verhalten dem, „wie man sich einen solchen Marktplatz vorstelle“, gibt t3n die Ansicht von Davis wider.

Amazon widerspricht und verweist auf Bedeutung der eigenen Händler

Amazon selbst stellte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Behauptungen, dass man Marktplatzdaten ungefiltert nutze: Demnach könne man lediglich auf aggregierte Daten und auf Daten einzelner Marktplatzanbieter zugreifen. Auch verwies Amazon in einem Statement für Recode darauf, dass Drittanbieter mittlerweile 60 Prozent der dortigen Umsätze generieren würden und man allein im Jahr 2019 mehr als 15 Milliarden Dollar in Bereiche wie Infrastruktur und Tools gepumpt hätte, wovon wiederum die Händler profitierten.

Eine Zerschlagung Amazons? – Keine leichte Frage!

Die Frage, ob Amazon tatsächlich zerschlagen werden sollte, ist äußerst kompliziert und definitiv nicht leicht zu beantworten. Denn die Aspekte, die bei einem solchen potenziellen Unterfangen zu berücksichtigen wären, sind äußerst komplex: Dabei geht es unter anderem darum, ob das deutsche Recht einen solchen Prozess überhaupt zulässt, ob es nicht auch andere adäquate Wege gäbe, ob man mit einer Zerschlagung überhaupt mehr Fairness in den Markt bringen und die Marktmacht Amazons tatsächlich einschränken könnte und natürlich, ob ein Eingreifen des Staates in privatwirtschaftliche Belange überhaupt forciert werden sollte.

/ Geschrieben von Tina Plewinski


Kommentare

#2 Volker Michna 2020-01-02 13:30
Das ist überhaupt nicht kompliziert, man muss sich nur dazu entschließen.
Was soll das mit deutschem Recht zu haben? Es hat nur was mit US-Recht zu tun! Und da gibt es schon mehrere Beispiele, dass marktbeherrsche nde Konzerne zerschlagen wurden.
Warum soll die kommerzielle Wirtschaft eine Sonderstellung haben. Carl von Clausewitz schrieb schon vor 200 Jahren, dass die Politik das Primat im Kriege hat. Kein General kann selbstständig handeln.
Warum sollte es in der Wirtschaft anders sein, wenn die Folgen eines Nichtstuns ebenso katastrophal sind wie ein Krieg?
#1 Silvio Doberstein 2020-01-02 11:01
Was bitte ist kompliziert sein an der Frage: Sollte Amazon zerschlagen werden? Und der aus meiner Sicht einzig vernünftigen Antwort: ja!
Kompliziert wird allenfalls die Umsetzung, so diese denn tatsächlich nach deutschen Recht überhaupt möglich ist.
Und auch die Frage, ob ein Eingreifen des Staates in privatwirtschaf tliche Belange überhaupt forciert werden sollte, ist für mich jedenfalls nicht schwer zu beantworten: ein Ja! auch hier.
Denn die neoliberale Haltung der Politik in den letzten 30 Jahren hat zu einer völlig falschen Priorisierung geführt. Mittlerweile herrscht doch ein kaum noch zu übersehendes Primat der Wirtschaft, was dazu führt, dass Politik immer wieder versucht Gesetze zu machen, die der Wirtschaft folgen.
Tatsächlich aber sollte es doch so sein, dass Politik Gesetze für die Menschen macht, und die Wirtschaft dann diesen Gesetzen zu folgen hat!



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