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Amazons Bio-Kette Whole Foods versucht mit sogenannten Heatmaps herauszufinden, in welchen der über 500 Läden sich Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren könnten.

Whole Foods
Andriy Blokhin / shutterstock.com

Seit Amazons Übernahme der Biokette Whole Foods gab es immer wieder Kritik an den Arbeitsbedingungen durch die Angestellten. 2018 hat Amazon in einem eigenen Video Whole-Foods-Führungskräfte geschult, wie sie die mögliche Bildung von Gewerkschaften verhindern könnten. Jetzt wurde eine weitere Maßnahme des Unternehmens öffentlich: Mit Heatmaps versucht die Biokette mögliches gewerkschaftliches Interesse unter ihren Mitarbeitern zu erkennen, wie Business Insider berichtet. Business Insider bezieht sich dabei auf fünf Informanten und interne Dokumente.

So funktioniert Whole Foods Kontrollsystem

Heatmaps sind Diagramme zur Visualisierung von Daten, die vor allem Fußballfans kennen dürften. Whole Foods erstellt solche Heatmaps für seine 510 US-Geschäfte und greift dabei auf eine Vielzahl von Daten zurück. Ausgewertet wird unter anderem: Loyalität und ethnische Vielfalt der Mitarbeiter, Umsatz der Filiale, Anrufe bei der Personalabteilung, örtliche Nähe zu einem Gewerkschaftsbüro, von der Arbeitsschutzbehörde registrierte Verstöße und die Arbeitslosenquote vor Ort. Daraus erstellt das Unternehmen ein Punktesystem, das anzeigt, in welchen Filialen eine gewerkschaftliche Organisierung am wahrscheinlichsten ist.

Was macht Amazons Biomarktkette mit den Daten?

Ein geleaktes Dokument erklärt nebulös das Ziel dieser Einschätzung: „Diese frühe Identifizierung ermöglicht es, Ressourcen an die Standorte mit dem größten Bedarf zu leiten, mit dem Ziel, das Risiko zu mindern, indem Herausforderungen frühzeitig angegangen werden, bevor sie problematisch werden.“ Was damit genau gemeint ist, ist allerdings unklar – Whole Foods hat sich dazu nicht geäußert, verweist aber in einem Statement auf seine vermeintliche Offenheit. „Whole Foods Market erkennt die Rechte unserer Teammitglieder an, zu entscheiden, ob eine gewerkschaftliche Vertretung für sie richtig ist“, heißt es. Das Unternehmen ziehe jedoch eine „direkte Beziehung“ zwischen Mitarbeitern und Führungskräften vor. Insgesamt arbeiten bei Whole Foods rund 95.000 Mitarbeiter. 

Ist die Überwachung gewerkschaftlicher Aktivität legal?

Eine solche Überwachung ist in den USA legal und bei großen Unternehmen üblich, sagen Experten. Das Arbeitsrecht erlaubt das Vorgehen – solange die Bemühungen der Angestellten um eine gewerkschaftliche Organisierung nicht erzwungen, bedroht, eingeschränkt oder behindert werden. Kritik zu Walmarts Heatmap-System gibt es aber trotzdem: Das sei „die nächste Grenze des Widerstands der Arbeitgeber gegen Gewerkschaften“, sagt Celine McNicholas, zuständig für Regierungsangelegenheiten und Arbeitsrecht beim Economic Policy Institute.

Wie geht Amazon in Deutschland mit Gewerkschaften um?

In Deutschland ist die Konfliktlinie zwischen Amazon und der Gewerkschaft Verdi altbekannt. Ein solches Programm wie bei Whole Foods gebe es aber nach Verdis Wissens hierzulande nicht, sagt Thomas Schneider von Verdi. „Generell ist Amazon aber auch in Deutschland sehr aktiv beim Bewerten und Einordnen von Mitarbeitern.“ Das beträfe auch den Umgang mit der Gewerkschaft. So gebe es laut Schneider bei Amazon eine eigene Abteilung, die unter anderem das Verhalten von Mitarbeitern und Betriebsräten in Bezug auf gewerkschaftliche Nähe und Verhalten analysiert.

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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