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Amazon wird wegen Diskriminierungsvorwürfen von einem Transmann verklagt. Dabei präsentiert sich der Konzern eigentlich gern als weltoffen und gilt gar als Musterbeispiel für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

Amazon Logistiklager
Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com

Der Transmann Shaun Simmons hat Amazon verklagt – und die Vorwürfe sind brisant. Simmons – biologisch weiblich geboren, identifiziert sich aber als Mann – wirft Amazon vor, ihn aufgrund seiner Schwangerschaft diskriminiert und schließlich von seinem Arbeitsplatz verdrängt zu haben. Im Juni 2019 habe Simmons einen Vorgesetzten über die Schwangerschaft informiert. Dieser habe die Information allerdings an einen weiteren Manager gegeben, daraufhin verbreitete sich die Information im Verteilzentrum in Princeton, New Jersey, in dem Simmons arbeitete.

Diskriminierung wegen Schwangerschaft als Transmann?

Nachdem Kollegen begannen, sich abfällig zu äußern, hätten bald auch die beiden Führungskräfte begonnen, Simmons' Leistung, die vorher nie bemängelt wurde, ungerechtfertigt zu kritisieren – Simmons zufolge, um seine Karriere zu sabotieren. Als er sich an die Personalabteilung wandte, wurde er zunächst beurlaubt. Er kehrte als sogenannter Picker zurück – aus seiner Sicht eine Degradierung – und musste dabei auch schwerste Gegenstände heben. Nach einer Beschwerde wurde er erneut beurlaubt. Auch der anschließende Wechsel an einen anderen Standort brachte keine Besserung. Das Angebot einer Beförderung wurde dann kurz vor dem Geburtstermin kurzfristig wieder zurückgenommen, Simmons wurde in unbezahlten Urlaub geschickt. Simmons klagt jetzt nicht nur gegen Amazon selbst, sondern konkret auch gegen seine beiden Vorgesetzten.

Kritik an Amazon

Amazon wird von der Simmons vertretenden Anwaltskanzlei Costello & Mains vorgeworfen, Schwangere und Menschen mit Behinderungen schon länger zu diskriminieren. Derzeit sollen mehrere Verfahren von Frauen laufen, die angeben, in ihrer Schwangerschaft entlassen worden zu sein. Das berichtete Cnet schon im vergangenen Mai. Im letzten Jahr einigte man sich bereits außergerichtlich mit einer Transfrau, die Amazon wegen „grausamer“ Belästigung verklagt hatte.

Zum genannten Fall will sich Amazon konkret nicht äußern. Der Konzern verweist gegenüber NBC lediglich darauf, dass man Diskriminierung im Unternehmen nicht dulde. Man wolle eine „sichere und inklusive Umgebung“ bei der Arbeit bieten. Kurioserweise gilt Amazon eigentlich als Musterbeispiel für die Gleichbehandlung von LGBTQ-Personen. Im Corporate Equality Index der Human Rights Campaign erreicht Amazon in allen Kategorien Bestnoten. Jeff Bezos erhielt von der Human Rights Campaign 2017 gar den Equality Award. Shaun Simmons dürfte das kaum trösten.

/ Geschrieben von Christoph Pech





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