Verdi brandmarkt die Amazon-Lager in Augsburg und Koblenz als Corona-Hotspots, Amazon weist die Vorwürfe zurück und wirft der Gewerkschaft wiederum eine „bewusste Täuschung der Öffentlichkeit“ vor.

Mitarbeiter in Amazon-Lager
Amazon

Die Bundesregierung hat gerade den Teil-Lockdown verlängert, Corona hält die Welt weiter in Atem. Auch Amazon, das durch den Anstieg des Online-Handels am meisten von der Pandemie profitiert, hat immer wieder mit Corona zu kämpfen. Schon im April des Jahres forderte die Gewerkschaft Verdi wegen der steigenden Coronafälle im Amazon-Lager Winsen die Schließung des dortigen Standortes, auch in Bad Hersfeld hatten viele Mitarbeiter Angst vor einem Corona-Hotspot. 

Corona-Zahlen bei Amazon in Graben: 30 – oder 300 infizierte Mitarbeiter?

Jetzt kritisiert Verdi die beiden Amazon-Logistikzentren in Graben bei Augsburg und Koblenz als mögliche Verbreitungsherde für das Coronavirus, wie n-tv mit Verweis auf die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. Demnach seien laut Verdi im Amazon-Lager in Graben etwa 300 Menschen von insgesamt rund 1.800 Mitarbeitern infiziert – Amazon selbst hingegen nennt nur 30 Krankheitsfälle. Das Gesundheitsamt Augsburg widerspricht laut SZ Verdis Darstellung und stellte bei Amazon keine erhöhte Fallzahl fest, könne aber auch keine aktuelle Gesamtzahl der Infizierten bei Amazon in Graben angeben.

Auch das Amazon-Lager in Koblenz könne ein versteckter Corona-Hotspot sein, erklärte die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Monika Di Silvestre in der Süddeutschen Zeitung. Dort seien vor kurzem noch 63 Mitarbeiter infiziert und 140 in Quarantäne gewesen. Allerdings seien von den dortigen 2.800 Mitarbeitern auch nur 800 getestet worden. Amazon nennt für das Koblenzer Lager keine Zahlen, allerdings musste Anfang November dort die komplette Nachtschicht gestrichen werden, weil die Mitarbeiter in Quarantäne mussten. Das Gesundheitsamt in Koblenz sieht den Standort jedoch nicht mehr als Corona-Hotspot.

Darum unterscheiden sich die Corona-Zahlen von Verdi, Amazon und den Gesundheitsämtern

Wie aber kommen die unterschiedlichen Zahlen und deren Deutung für das Grabener Amazon-Zentrum zustande? Das Gesundheitsamt Augsburg berechnet die Zahl möglicher Corona-Infektionen anhand der Betroffenen aus dem jeweiligen Landkreis. Verdi hingegen bezieht seine Berechnung auf den großen Einzugskreis des Standortes Graben, da vermutlich viele Mitarbeiter aus anderen Landkreisen zur Arbeit pendeln – so gebe es eine erhöhte Dunkelziffer bei Amazon, die die einzelnen Ämter nicht erfassen können. Die Gewerkschaft hat ihre – im Vergleich zu Amazon zehn mal so hohe Fallzahl – anhand der Aussagen von Beschäftigten aus verschiedenen Arbeitsschichten hochgerechnet, so die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sylwia Lech. 

Amazon vs. Verdi: „Bewusste Täuschung der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen“

Amazon weist die Kritik Verdis deutlich zurück und spricht sogar von Irreführung. „Dieses Niveau der bewussten Täuschung der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen zu unserem Standort in Graben bei Augsburg haben wir noch nicht gesehen“, erklärte ein Amazon-Sprecher.

Eine Amazon-Insiderin, die jüngst über die Bedingungen in einem deutschen Logistikzentrum ausgepackt hatte, ist hingegen mit den Schutzmaßnahmen, die Amazon gegen eine mögliche Coronainfektion ergriffen hat, zufrieden.

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner