Der Autor Jan Höpker kritisiert windige Geschäfte mit Ratgeber-Büchern auf dem Amazon-Marktplatz – u.a. mit Fake-Autoren und gefälschten Bewertungen. Amazon spricht nur von einer „sehr kleinen Zahl“ und verweist auf seine Kontrollmethoden.

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In vielen Lebenslagen suchen Menschen Tipps in Ratgebern aller Art, online oder auch als gedrucktes Buch. Auch bei Amazon gibt es jede Menge hilfreiche Literatur – darunter aber auch einige Ausfälle, wie der Autor Jan Höpker kritisiert. Manche Unternehmen haben daraus ein zwielichtiges Geschäft gemacht, wie er im Gespräch mit Amazon Watchblog berichtet.

Höpker ist Naturwissenschaftler und selbst Autor von Ratgebern über Lernen und Persönlichkeitsentwicklung, die er über Amazon verkauft. „Amazon Deutschland wird mit Schrottbüchern von Fake-Experten überflutet. Dahinter stecken Unternehmer, die am Fließband produzieren und nicht einmal vor ernsten Themen wie Krankheiten zurückschrecken“, so seine Kritik. Amazon hat inzwischen darauf reagiert, verweist auf die gemischte Kontrolle von Verstößen durch Mensch und Maschine und baut auch auf die Mithilfe der Kindle-Nutzer.

So läuft das Geschäft mit den Fake-Ratgebern auf Amazon

Und so funktioniere das Geschäft laut Höpker: Die Anbieter forschen mittels Keyword-Tools auf Amazon nach einem vielversprechenden Ratgeber-Thema. Dann wird ein Ghostwriter beauftragt, der das geplante Werk mehr oder weniger schlecht zusammenschustert – von Wikipedia oder anderen Quellen aus dem Internet. Auch bei seinen eigenen Texten haben sich die Fake-Autoren bereits bedient: „Tatsächlich habe ich einige meiner eigenen Blogartikel in minimal abgeänderter Form in den Schrottbüchern von Konkurrenten wiedergefunden. Die entsprechenden Bücher bestanden ausschließlich aus leicht abgewandelten Blogartikeln“.

Bei einem solchen Buch könne ein Ghostwriter wohl im Schnitt rund 600 Euro verdienen, schätzt Höpker. Das Buch wird zur Not durch Tricks beim Layout, wie zum Beispiel zu große Schrift oder Zeilenabstände, auf die nötige Länge gestreckt. Anders beim Cover: Hier wird zumindest etwas Geschick investiert, denn bei Amazon sei das Buch-Cover mitentscheidend für den Erfolg, so Höpker.

Ausgedachte Experten und gefälschte Lebensläufe bei Amazon-Büchern

Besonders perfide: Um dem Buch trotz der unprofessionellen Mache eine gewisse Expertise zu verleihen, denken sich die Anbieter der Billig-Ratgeber einen Fake-Autoren samt Fantasie-Lebenslauf aus, der dann im Autorenprofil auf Amazon auftritt. Kurios: Die Bilder der „Experten“ stammen zum Teil aus Fotodatenbanken oder sogar von anderen echten Experten, deren Fotos wohl kopiert werden. Höpker hat dafür Beispiele.

Ist das Buch fertig, wird durch gefälschte Rezensionen versucht, den Amazon-Algorithmus zu beeinflussen und das Buch so nach oben zu pushen. Die Anbieter kaufen entweder Fake-Rezensenten ein oder schieben sich gegenseitig solche Bewertungen zu. „Dass ein Schrottbuch in den ersten Wochen 100 oder sogar noch mehr lobhudelnde Rezensionen erhält, ist heute keine Seltenheit mehr“, klagt Höpker an. Auch diesen Aspekt hat er langfristig untersucht und Beispiele gesammelt, die Amazon Watchblog vorliegen.  

„Niemand hat das Recht, seine Leser und alle ehrlichen Autoren zu betrügen.“

„Inhaltlich sind diese Sach- und Ratgeberbücher unterirdisch schlecht, aber dank unfairer Tricks verkaufen sie sich irre gut. So wird allen Lesern, Verlagen und ehrlichen Autoren großer Schaden zugefügt“, meint Höpker. „Vor den Ergüssen irgendwelcher Billig-Ghostwriter, die über keinerlei Expertenwissen verfügen, möchte ich mich, mein Geld und meine Zeit schützen können. Jeder Mensch sollte das Recht habe, schlechte Bücher zu veröffentlichen, aber niemand hat das Recht, seine Leser und alle ehrlichen Autoren zu betrügen.“

Update: Das sagt Amazon zu der Kritik

Amazon hat auf Anfrage von Amazon Watchblog zu der Kritik Stellung genommen. „Alle Kindle-Direct-Publishing(KDP)-Kontoinhaber sind gemäß unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Inhalte verantwortlich, die über ihre Konten veröffentlicht werden, und wir nehmen die Möglichkeit eines Missbrauchs von Amazons Services sehr ernst“, erklärte eine Amazon-Sprecherin. Die überwiegende Mehrheit der Rezensionen auf Amazon sei authentisch. „Jedoch versucht bisweilen eine sehr kleine Zahl von KDP-Autoren und -Verlegern, sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, indem sie falsche, irreführende und ungenaue Kundenrezensionen für ihre selbst veröffentlichten Bücher erstellt.“

Die meisten Verstöße gegen Amazons Richtlinien entdecke das Unternehmen noch vor der Veröffentlichung. „In seltenen Fällen, in denen jemand damit durchkommt, setzen wir auf eine Mischung aus automatisierter und menschlicher Kontrolle sowie auf Informationen von Verlegern und Kunden, um diese Bücher zu erkennen. Alle Kindle-Produktseiten enthalten einen Link, um verdächtige Titel zu melden, und wir untersuchen alle Titel und Verlage, die von Lesern und Autoren gemeldet werden.“

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner