Rechtsterroristische Vereinigungen bieten auf dem US-Marktplatz von Amazon Artikel an. Amazon-Mitarbeiter fordern, dass die entsprechenden Angebote von der Plattform genommen werden.

Protest am Kapitol
Alex Gakos / Shutterstock.com

Bis sich die Stimmung in den USA beruhigt, wird es wohl noch eine Weile dauern, nachdem Trump-Fans am 6. Januar das Kapitol in Washington D.C. gestürmt haben und dabei fünf Menschen ums Leben kamen. Das FBI, berichtet der Spiegel, warnt bereits vor Ausschreitungen zur Amtseinführung von Joe Biden. Entscheidend beteiligt am Sturm auf das Kapitol waren rechte Gruppen, die Donald Trump unterstützen. Einige dieser Vereinigungen verkaufen Bekleidung und andere Artikel über Amazon. Mitarbeiter des Konzerns kritisieren nun, dass derartige Angebote noch nicht von der Plattform genommen wurden.

Konkret geht es um die Angebote zweier rechter Miliz-Gruppen, den „Oath Keepers“ und den „Three Percenters“. Teilnehmer des Angriffs sollen Bekleidung von wenigstens einer der beiden Organisationen getragen haben, berichtet das Recode-Portal Vox. Schon in den Wochen zuvor hätten Amazon-Mitarbeiter die Führungsetage befragt, warum Bekleidung dieser Gruppen auf Amazon verkauft werden darf. In einer internen E-Mail schrieb ein langjähriger Amazon-Mitarbeiter nach dem Aufstand: „Nach dem gestrigen Tag sollten alle Produkte, die den Sturz der US-Regierung befürworten, von der Website entfernt werden“.

Amazon verweist auf Nutzungsbedingungen

Amazon lässt sich davon bislang nicht beeindrucken und erlaubt den Vertrieb der Bekleidung der beiden Organisationen weiter. Und nicht nur das: Für viele der Artikel werde offenbar Amazons eigener Logistik-Service genutzt. Die Anbieter nutzen also Amazon-Lager für Lagerung und Versand. Gegenüber Recode äußerte sich der Konzern nicht, verwies aber seine Nutzungsbedingungen – und gegen diese verstoßen die Artikel offenbar nicht.

In den Nutzungsbedingungen heißt es: „Amazon lässt keine Produkte zu, die Hass, Gewalt, rassistische, sexuelle oder religiöse Intoleranz fördern, anstiften oder verherrlichen oder Organisationen mit solchen Ansichten unterstützen.“ Zudem seien terroristische Organisationen vom Verkauf bei Amazon ausgeschlossen. Keine der beiden Gruppen gilt aber bislang aber als terroristisch – und zumindest, solange Donald Trump noch Präsident ist, dürfte sich dies auch nicht ändern. Sowohl die „Oath Keepers“ als auch die „Three Percenters“ zählen jedoch zu den wichtigsten rechten Miliz-Gruppen in die USA und wurden im Zuge der Wahl Barack Obamas im Jahr 2008 gegründet.

Amazon löscht QAnon-Artikel

An anderer Stelle ist der US-Konzern weniger nachsichtig mit rechter Hetze: Die Twitter-Alternative Parler, die bislang die Server von Amazon Web Services nutzte, wurde am Wochenende abgeschaltet. Das Netzwerk ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Hoster.

Darüber hinaus hat Amazon angekündigt, diverse QAnon-Artikel von seiner Plattform zu löschen. Auch hier argumentiert Amazon mit seinen Richtlinien, die Hass- und Gewaltverherrlichung verbieten. Nach Spiegel-Informationen gilt dies auch für den deutschen Marktplatz. Die Löschaktion werde mehrere Tage dauern, heißt es von Amazon. Sicherheitsexperten halten radikalisierte QAnon-Anhänger für eine der derzeit gefährlichsten Gruppen in den USA. Politikern steht QAnon in der Regel skeptisch bis feindlich gegenüber, in Donald Trump sehe man aber einen Heilsbringer.

/ Geschrieben von Christoph Pech




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