In einem Chicagoer Amazon-Verteilzentrum sollen die Mitarbeiter nun 10,5 Stunden am Stück arbeiten – dagegen regt sich Protest.

Amazon-Lager
© Amazon

Amazon hat gut zu tun: Immer mehr Menschen bestellen in der Coronapandemie online. Das heißt vor allem für die Mitarbeiter in den Logistikzentren: Gas geben. In den USA sollen in einem Chicagoer Verteilzentrum die Mitarbeiter sogar 10,5-Stunden-Schichten schieben – nicht ganz freiwillig, wie Vice berichtet.

Mitarbeiter sollen in „Megacycle“-Schicht arbeiten

Im Januar teilte Amazon demnach den Mitarbeitern des Lagerhauses DCH1 in Chicago mit, dass der Standort geschlossen werde. Sie könnten zwar in einem anderen Logistikzentrum vor Ort weiterarbeiten – müssten dort dafür allerdings 10,5-Stunden-Nachtschichten in Kauf nehmen, in Amazon-Kreisen als „Megacycle“ bekannt. Diese läuft von 1:20 Uhr bis 11:50 Uhr.

Einige der betroffenen Amazon-Mitarbeiter gehen nun mit einer Petition dagegen vor: Sie fordern vor allem, dass die Arbeitszeit angepasst wird, damit sich die Angestellten auch um die Familie kümmern können. „Der neue Zeitplan ist vor allem für viele Mütter, diejenigen, die ältere Angehörige pflegen, und andere, die in den Morgenstunden zu Hause sein müssen, nicht praktikabel“, sagte ein Mitarbeiter. Viele Eltern müssten sich außerdem wegen der Coronapandemie und geschlossener Schulen zu Hause um ihre Kinder kümmern. Außerdem solle Amazon den Lohn um zwei Dollar erhöhen und sich um die Beförderung zum neuen Standort kümmern.

„Amazons Änderung der Schichtpläne stürzt unser Leben ins Chaos“

„Amazons Änderung der Schichtpläne der Lieferstationen stürzt unser Leben ins Chaos“ heißt es in der Petition. „Sie lassen uns zwei Wochen Zeit, um uns zwischen der Versorgung unserer Familie und einem Job zu entscheiden.“ Eine Mitarbeiterin erklärte außerdem: „Wir müssen diese Option wählen oder unsere Jobs verlieren. Es ist keine echte Option. Sie sagen uns im Grunde ’Ihr seid gefeuert’.“

In einem Statement auf Business Insider nimmt Amazon zu den Vorwürfen Stellung. Das Unternehmen arbeite mit jedem Mitarbeiter direkt an der Option, die ihn am besten unterstütze, erklärte Amazon-Sprecherin Jen Crowcroft. „Unsere Mitarbeiter sind das Herz und die Seele unseres Betriebs, und wir freuen uns, dass wir weiterhin großartige, flexible Karrieremöglichkeiten in erstklassigen Einrichtungen bieten können.“  

In Deutschland gibt es bei Amazon keine solchen 10,5-Stunden-Schichten, wie uns eine Amazon-Insiderin mitteilt. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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