Zu den vielen Kritikern der von zwölf Vereinen geplanten Super League hat sich auch Amazon gesellt. Dabei geht es aber wohl vor allem um Geld und Zugriffszahlen.

Sergio Ramos Real Madrid
Mikolaj Barbanell / Shutterstock.com

Es war eine Nachricht, die nicht nur die Fußballwelt erschüttert hat. Nachdem lange gemunkelt wurde, machten in der Nacht zum 19.April tatsächlich zwölf europäische Spitzenvereine den Plan öffentlich, eine eigene Super League zu gründen. Neben den großen sechs englischen Klubs (Manchester City und United, FC Chelsea, Arsenal London, FC Liverpool und Tottenham Hotspur) waren auch jeweils drei Vereine aus Spanien (Barcelona und die beiden Klubs aus Madrid) und Italien (Juventus Turin und die beiden Mailänder Klubs) dabei. Weitere Vereine, darunter Borussia Dortmund und Bayern München, sollten eingeladen werden.

Der Gegenwind war heftig, vor allem die Fans kritisierten die Idee – auch jene der beteiligten Clubs. Das Spiel des FC Chelsea am Dienstag musste mit Verzögerung stattfinden, weil die eigenen Fans den Bus blockierten. Auch Uefa und Fifa zeigten sich empört, appellierten an den Inklusionscharakter des Fußballs, in dem ein abgeschlossener Wettbewerb von vermeintlichen VIP-Clubs keinen Platz habe.

Es geht natürlich ums Geld

Dass sich die großen Fußball-Verbände gegen die Idee stellen, hat ganz sicher nichts mit ihrer Verbundenheit zu den Fans zu tun. Sie sehen ihre Einnahmen bedroht. Als sich nun auch Amazon bemüßigt fühlte, ein Statement zur Super League abzugeben, dürften Fußballfans wahlweise milde gelächelt oder die Augen verdreht haben. Amazon verstehe und teile „die Bedenken der Fußballfans hinsichtlich einer abtrünnigen Super League“, hieß es laut Börsen-Zeitung vom Konzern, und weiter: „Wir glauben, dass ein Teil des Dramas und der Schönheit des europäischen Fußballs aus der Möglichkeit für jeden Club besteht, durch seine Leistung auf dem Spielfeld Erfolg zu haben.“

Amazon braucht die Top-Klubs für die Champions League

Das klingt zwar schön, ist aber mindestens unglaubwürdig, denn der Vorstoß des Konzerns kommt nicht von ungefähr. Ab der kommenden Saison, die im August 2021 startet, zeigt Amazon für drei Spielzeiten das jeweilige Champions-League-Topspiel am Dienstagabend – insgesamt 16 Partien, davon zwei Playoff-Spiele. Darüber hinaus zeigt Amazon die weiteren Spiele jeweils in Zusammenfassungen. Im Klartext heißt das: Je prominenter die Champions League besetzt ist, desto mehr Menschen schalten ein, desto mehr potenzielle Prime-Neukunden lassen sich gewinnen. Liverpool gegen Bayern bringt mehr Quote als Donezk gegen West Ham.

Dass Amazon zusätzlich betont, nicht in Pläne für die Super League einbezogen gewesen zu sein, klingt dabei nicht nur ein wenig verzweifelt, sondern zeugt auch von einer ungesunden Selbsteinschätzung. Bei Fußballübertragungen ist Amazon noch nicht das Schwergewicht, dass es qua Selbstverständnis gern wäre. Wenn durch die Super League nun die ersten zarten Pflänzchen zum Auftritt aufs große Fußball-Parkett zwar nicht erstickt, aber zumindest nur rudimentär gegossen werden, wird es umso schwerer, sich auf dieser Bühne in Zukunft ein entsprechendes Standing aufzubauen. Amazon braucht diese Champions League – und ist darum unbedingt daran interessiert, dass es gar nicht erst zur Super League kommt. Nach der lauten Kritik haben nun neun der zwölf Vereine wieder zurückgezogen. Von den Plänen haben sie sich aber wohl nicht endgültig verabschiedet – man wolle das Projekt nun umgestalten.

/ Geschrieben von Christoph Pech