Amazon-Buchautor Brad Stone erklärt, warum Bezos’ Milliarden-Reichtum auch ein Problem für Amazons Erfolg sein könnte und deckt weitere Hintergründe auf.

Jeff Bezos
© Blue Origin

In diesen Tagen erscheint das zweite Buch des Wirtschaftsjournalisten Brad Stone über Amazon: In „Amazon unaufhaltsam“ beschreibt er zum zweiten Mal das Mega-Unternehmen von Jeff Bezos und erklärt vor allem die rasante Entwicklung der letzten Jahre. Zuletzt wurden durch das Buch die vermeintliche Stimme hinter Alexa sowie Bezos’ neue Yacht bekannt. 2013 hatte Stone mit „Der Allesverkäufer: Jeff Bezos und das Imperium von Amazon“ zum ersten Mal den Online-Riesen untersucht.

Bezos entferne sich von Kunden und Mitarbeitern

Jeff Bezos’ massiver Zuwachs an Milliarden – vor allem durch Amazons Erfolg in der Corona-Pandemie – könne dabei aber auch nachteilig für sein Unternehmen sein, wie Stone im Interview mit der Wirtschaftswoche erläutert. „Er verliert zunehmend den Kontakt zu den Amazon-Kunden und zu seiner Belegschaft. Das ist ja auch kein Wunder. Wie soll jemand mit einem Vermögen von 200 Milliarden Dollar den Alltag eines Arbeiters verstehen, der 15 Dollar die Stunde in einem Warenhaus verdient? Das macht ihn manchmal zu einem unbeholfenen Vertreter von Amazon in der Öffentlichkeit“, sagt der Amazon-Autor. 

Das macht Bezos nach seiner Zeit als Amazon-Chef

Dennoch habe Bezos sich in den vergangenen Jahren vom einstigen „Tech-Geek“ weiterentwickelt und würde sich auf der Weltbühne sehr wohlfühlen, so Stone. „Man könnte sagen, er ist über Amazon hinausgewachsen. Sein Fokus hat sich geweitet.“ So würden nach Bezos’ Rücktritt als Amazon-CEO auch bald andere Themen und Hobbys im Leben des Multi-Milliardärs wichtiger werden, vermutet Stone: „Ein bisschen Amazon, ein bisschen Blue Origin (Bezos’ Weltraumfirma), ein bisschen Wohltätigkeit, ein bisschen Prominentenleben.“ Bei „ernsthaften Problemen“ könne Bezos wohl auch wieder die CEO-Rolle übernehmen. An eine politische Karriere von Bezos glaubt Stone jedoch nicht – dazu fehle dem Amazon-Boss das Charisma. 

Trotz Bezos’ Zurücktreten in die hintergründige Führungsreihe prognostiziert Stone Amazon aber zunächst weiteren Erfolg. „Was er da gebaut hat, ist eine Maschine, die sich selbst am Laufen hält. Damit wird Amazon immer nur stärker. Mich erinnert das Unternehmen an einen Stein, der einen Berg hinunterrollt und immer mehr an Geschwindigkeit gewinnt. (...) Natürlich gibt es Risiken für das Imperium, aber im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, dass Amazon an Fahrt verliert“, glaubt der Autor.

Künftig werde Amazon vor allem den Gesundheitsmarkt ins Visier nehmen, äußert Stone im Interview mit dem Spiegel (Paywall). Bezos sei fasziniert von dem Thema Medizin und Gesundheit, dafür gebe es eine Art geheimes Entwicklungsteam namens „Grand Challenge“, mit dem sich Bezos monatlich treffe.

Darum muss Amazon keine Angst vor Kartell- und Monopol-Untersuchungen haben

Apropos Risiken: Die vielfältigen politischen Vorgehen gegen Amazon, wie etwa derzeit auch des deutschen Bundeskartellamtes, sieht Stone kaum als Gefahr und „nicht existenzbedrohend“ für Amazon, wie er im Spiegel-Interview erläutert. „In keiner Sparte aber, in der Amazon sich bewegt, hat der Konzern ein klassisches Marktmonopol so wie früher Microsoft oder Standard Oil. Ich halte es eher für möglich, dass Amazon sich eines Tages selbst und freiwillig aufspaltet und zu dem Schluss kommt, dass zum Beispiel seine Cloud-Sparte AWS allein besser dasteht“, so die Prognose des Experten.

/ Geschrieben von Markus Gärtner





Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Captcha aktualisieren