Amazon ignoriert die Einladung der EU zu einer Anhörung. Ein Politiker findet klare Worte.

leeres Podium im Rampenlicht
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Mitarbeiter, die in Flaschen pinkeln, flächendeckende Überwachung und schlechte Löhne: Die Liste an Gründen, nicht bei Amazon zu arbeiten, ist lang – jedenfalls, wenn es nach den vielen Berichten über die Zustände in den Logistikzentren geht. Auch um den fairen Wettbewerb scheint es nicht gut bestellt zu sein. 

All die Medienberichte über diese Zuständen führten zur Einladung des EU-Parlaments. Die Parlamentarier wollten sich in einer Anhörung ein eigenes Bild von dem Wirtschaftsriesen machen. Allerdings ist laut der Zeit niemand von Amazon gekommen.

„Missachtung von demokratischen Institutionen“

„Dass Herr Bezos unsere Einladung ignoriert und nicht einmal einen Vertreter entsendet, ist ein Akt unfassbarer Arroganz und eine Missachtung von demokratischen Institutionen“, mahnt der sozialpolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, Dennis Radtke, gegen den scheidenden Amazon-Chef Bezos. 

Er ist dabei nicht der einzige Politiker, der empört ist. Dass einer Einladung zur parlamentarischen Anhörung nicht gefolgt wird, scheint nicht oft vorzukommen. 

Amazon immer wieder in der Kritik

Mit über 50 Prozent Marktanteil am Online-Handel in Deutschland ist Amazon dominant. Auch in anderen EU-Ländern dürfte es ähnlich aussehen. Amazon ist damit nicht nur dominant, sondern ohne Frage ein Wirtschaftsfaktor. Gleichzeitig liest man fast täglich kritische Berichte über den US-Riesen. Oftmals geht es genau um diese Marktdominanz und wie diese möglicherweise wettbewerbswidrig ausgenutzt wird.

Die Krux an Amazon ist nun einmal, dass das Unternehmen nicht nur die Plattform stellt, sondern gleichzeitig auch Konkurrent seiner Händler ist. Es ist unter anderem dieses ungleiche Machtgefüge, das Menschen dazu verleitet, eine Zerschlagung des Konzerns zu fordern. Auch in den USA hat sich mittlerweile eine kleine Koalition von Konkurrenten gebildet, die mit dieser Forderung an die Öffentlichkeit gehen.

Auch in Sachen Arbeitsrecht genießt Amazon nicht gerade den besten Ruf. Jüngst geriet der Konzern wieder in die Schlagzeilen, da die Gründung einer Gewerkschaft beeinflusst wurde. Mitarbeiter in den Logistikzentren berichten außerdem von einer permanenten Überwachung auf Schritt und Tritt. 

Auch wenn Amazon immer wieder beteuert, sich an das geltende Recht zu halten – weltweit nehmen die Behörden den Konzern immer wieder unter die Lupe. Ob der derzeitige Fauxpas Folgen haben wird, wird sich erst noch erst zeigen. 

/ Geschrieben von Sandra May