Die Wettbewerbsbehörde soll mögliche Wucherpreise bei Amazon in der Pandemie unter die Lupe nehmen.

Coronamasken und Geld
Maksym Dykha / Shutterstock.com

Medizinische oder Hygiene-Produkte wie Desinfektionsmittel und Schutzmasken wurden in der Corona-Pandemie zu heiß begehrten Artikeln – auch und gerade auf Amazons Marktplätzen. Weil diese dort oft zu deutlich überhöhten Preisen angeboten wurden, wird die britische Aufsichtsbehörde CMA (Competition and Markets Authority) die Vorwürfe jetzt untersuchen, berichtet der Guardian.

Die britische Gewerkschaft Unite hatte bei den Marktwächtern Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Sie wirft dem E-Commerce-Riesen vor, durch „ausbeuterischen Missbrauch seiner Dominanz“ im Online-Handel von der pandemiebedingten „Preisabzocke“ bei Produkten wie Handdesinfektionsmitteln und Gesichtsmasken profitiert zu haben.

Anti-Corona-Artikel bei Amazon: Handwaschmittel zum zwanzigfachen Preis

So sollen Produkte wie das Carex-Handwaschmittel statt für 1 für 26,41 britische Pfund angeboten worden sein, für ein Braun-Thermometer sollten Kunden 149,99 statt 39,99 Pfund zahlen und eine Packung mit 50 chirurgischen Masken kostete 170 statt 36 Pfund. Insgesamt seien Artikel um bis zu 2.000 Prozent teurer gewesen, heißt es. „Tatsache ist, dass die Verkäufer ihre Produkte zu massiv überhöhten Preisen an die Kunden verkauft haben und nur aufgrund der Online-Plattform, der Systeme, des Vertriebs und der Logistik von Amazon dazu in der Lage waren“, erläutert die Gewerkschaft. Sie fordert unter anderem, dass Amazon die Provision, die es von den entsprechenden Marktplatz-Händlern bekommen hat, an die betroffenen Online-Kunden zurückzahlt.

„Es gibt keinen Platz für Preisabzocke auf Amazon“

Amazon erklärte, dass die Preise von Drittanbietern festgelegt wurden, aber man gehe weiter gegen ausbeuterische Preisgestaltung vor. „Es gibt keinen Platz für Preisabzocke auf Amazon“, sagte eine Sprecherin. „Wir haben vor mehr als einem Jahr mit der CMA zusammengearbeitet, um Versuche einiger Verkäufer zu stoppen, die globale Gesundheitskrise auszunutzen. Unsere Maßnahmen damals waren klar und entschieden – wir haben die Angebote, auf die sich diese Beschwerde bezieht, entfernt und Verkäuferkonten gekündigt.“

Probleme mit Wucherpreisen während der Corona-Pandemie gab es wohl auf fast allen Amazon-Marktplätzen. Auch in den USA hat Amazon rund 4.000 Händler deswegen gesperrt. Wie Online-Händler generell ihre eigenen Preise gestalten dürfen und auf was sie dabei achten müssen, erklärt die Rechtsexpertin Yvonne Bachmann bei OnlinehändlerNews. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner

Kommentare

#2 RS 2021-07-15 06:45
bei dieser Gelegenheit kann man gleich mal prüfen, warum Amazon den Händlern vorschreiben darf, wie die Preisgestaltung (NACH UNTEN) sein muss. Nur allzu oft bekommt man Artikel gesperrt, die zum Katalogpreis angeboten werden, nur deshalb, weil kein Mitbewerber mehr aktiv ist. In anderen Fällen hätte man vorgeschlagene Preise machen müssen, die nach Abzug von Mwst, Gebühren, Versandkosten einen negativen Deckungsbeitrag erzielt hätten.
#1 Fa. Christel Geyer 2021-07-14 11:13
Wucherpreise ?
Uns wurde der Handel mit Schutzmasken untersagt, ebenso der Handel mit Seife. Wer mach denn dann die Wucherpreise ?



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