Zu viele Toilettenpausen stellten für Amazon womöglich einen Grund dar, eine Angestellte zu kündigen. 

Toiletten Symbole
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Eine ehemalige Lagermitarbeiterin, die in den USA für den Online-Riesen Amazon tätig ist, fordert Schadenersatz wegen einer aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Entlassung. Sie habe wegen eines Reizdarmsyndroms häufig die Toilette aufsuchen müssen, weshalb Amazon das Arbeitsverhältnis beendet haben soll, meldet das US-Nachrichtenportal BusinessInsider

Frist für ärztliches Attest wurde überschritten

Seit Juli 2020 ist die Angestellte für Amazon tätig. Im November vergangenen Jahres habe sie ihrem Vorgesetzten mitgeteilt, dass sie an der Darmerkrankung leide und bis zu sechs Mal pro Tag einen Toilettengang machen müsse. 

Dieser forderte ein Attest ein. Die Aufforderung habe die Klägerin nicht erhalten, woraufhin ihr Vorgesetzter im Januar erneut forderte, dass sie innerhalb von fünf Tagen eine ärztliche Bescheinigung einreichen solle. Allerdings konnte sie einen entsprechenden Arzttermin erst einen Tag nach dieser Frist erhalten. Wiederum fünf Tage nachdem sie das Attest vorgelegt hatte, wurde sie entlassen – mit der Begründung, dass es für das Attest nun zu spät sei. 

Hohe Schadenersatzforderung

Die Betroffene reichte im Anschluss beim New Jersey Superior Court Klage gegen den Konzern ein. Darin wird Amazon beschuldigt, eine Person mit einer Behinderung zu diskriminieren und keine Vorkehrungen gemäß dem Gesetz gegen Diskriminierung in New Jersey getroffen zu haben. 

Dem Bericht zufolge geht Amazon davon aus, dass sie eine Schadenersatzforderung in Höhe von 75.000 US-Dollar erreichen wolle. Aus diesem Grund bemühe sich der Konzern nun, den Fall statt vor dem US-Bezirksgericht vor einem Bundesgericht auszuhandeln. 

Nicht zum ersten Mal steht der Online-Konzern in Bezug auf die Pausenregelung und Toilettengänge in der Kritik. So gab es etwa 2018 auch hierzulande Kritik der Gewerkschaft Verdi an der Regelung, dass es geahndet werde, wenn Angestellte nach der Pause noch das Klo aufsuchten. In den USA kam es zudem im Frühjahr zu öffentlicher Empörung, da bekannt wurde, dass Amazon-Lieferanten während ihrer Zustelltouren in Flaschen pinkeln mussten. Das Unternehmen hatte damals eingeräumt, dass es Missstände gebe, aber auch erklärt, dass es sich dabei um ein branchenweites Problem handele.  

/ Geschrieben von Hanna Behn