Gewerkschaften aus den USA, UK und Deutschland wollen mit einer gemeinsamen Kampagne gegen Amazon vorgehen.

Mitarbeiter im Lager
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Sharon Graham wurde gerade erst zur neuen Generalsekretärin von Unite, einer der größten Gewerkschaften im Vereinten Königreich, gewählt. Jetzt kündigt die neue Unite-Führerin große Pläne vor allem gegen den Online-Riesen Amazon an, wie der Guardian berichtet.

Die frischgebackene Gewerkschaftsführerin will gemeinsam mit Gewerkschaften in den USA und Deutschland in einer internationalen Kampagne auf die oft kritisierten Bedingungen bei Amazon hinweisen und vor allem für mehr Mitbestimmung kämpfen. „Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um Amazon in diesen drei Ländern zu organisieren. Wenn wir das tun, könnten wir sie tatsächlich gleichzeitig auf ihren drei größten Märkten in die Zange nehmen“, erklärte Graham. Dazu gehöre auch Lobbyarbeit bei den jeweiligen Regierungen. 

Amazon soll problemlosen Beitritt zu Gewerkschaften erlauben

Das erklärte Ziel der Kampagne ist eine sogenannte Neutralitätsvereinbarung von Amazon: Mit dieser soll den Logistik-Mitarbeitern die Gründung einer Gewerkschaft erlaubt werden – ohne dass diese Repressalien befürchten müssen. Graham kritisiert unter anderem, dass die Arbeitnehmer bei Amazon Angst vor einer Entlassung haben, sollten sie sich für Gewerkschaften einsetzen.

Zuletzt beeinflusste Amazon mit allerlei Methoden die Abstimmung zu einem Gewerkschaftsbeitritt in einem Logistik-Lager in Bessemer (USA). Die teilnehmenden Amazon-Angestellten sprachen sich gegen einen Beitritt aus. Allerdings gab nur die Hälfte der Mitarbeiter überhaupt ihre Stimme ab, die US-Gewerkschaft RWDSU geht rechtlich gegen die Wahl vor.

„Was ich Jeff Bezos sagen würde, ist, dass er die Arbeitnehmer fair behandeln, sich an den Verhandlungstisch setzen und die Neutralitätsvereinbarung unterzeichnen sollte. Irgendwann wird das geschehen müssen“, gibt sich die Unite-Chefin kampfeslustig. „Wir könnten Amazon tatsächlich knacken. Und das wäre eine tolle Sache.“

Das sagt Amazon

Amazon selbst zeigt sich wenig beeindruckt, wie ein Sprecher andeutet. „Wir respektieren das Recht unserer Mitarbeiter, einer Gewerkschaft oder einer anderen rechtmäßigen Organisation ihrer Wahl beizutreten, eine solche zu gründen oder nicht beizutreten, ohne Angst vor Vergeltung, Einschüchterung oder Belästigung zu haben“, heißt es. Man lege großen Wert auf tägliche Gespräche mit den Mitarbeitern und arbeite daran, dass der direkte Austausch ein fester Bestandteil der Arbeitskultur sei. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner