Amazon USA lässt in China bestellte Ware über Mexiko liefern, um die Zollkosten zu umgehen.

Container mit Mexiko-Flagge
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Amazons florierendes Geschäft und der anschwellende Reichtum von Jeff Bezos hat auch viel damit zu tun, dass es dem Unternehmen immer wieder gelingt, rechtliche und moralische Grauzonen effektiv auszunutzen – etwa beim Steuern sparen in Europa. Jetzt wurde ein ganz legaler Zoll-Trick aufgedeckt: Für US-Kunden bestimmte Ware landet zunächst in Mexiko und dann erst in den USA, um die ansonsten fälligen Zollkosten zu umgehen. Der Doktorand Spencer Potiker hat die Methode recherchiert; Charmaine Chua, Assistant Professor an der Fakultät für Global Studies an der University of California, Santa Barbara, hat sie in einem Twitter-Thread veröffentlicht.

Zoll-Trick: Amazon-Mitarbeiter packen Ware in 800-Dollar-Päckchen

Ware, die aus den USA in China bestellt wird, landet zunächst in dem neuen Amazon-Verteilzentrum im mexikanischen Tijuana, nahe der US-Grenze und nur 24 Minuten Fahrzeit entfernt von Amazons Fulfillment Centre in Otay Mesa in San Diego – laut Chua das größte Amazon-Lager in den USA. Die mexikanischen Amazon-Mitarbeiter bereiten den weiteren Versand in die USA vor – wenn nötig, würde die bestellte Ware sogar auf Tragetaschengröße zerlegt, um sie dann per Lkw über die Grenze in das US-Lager zu bringen, wo sie wieder zusammengeführt und versendet wird – ohne Gebühren für den Zoll zu zahlen. 

Denn die Einfuhr von Waren aus Mexiko in die USA ist bis zum Wert von 800 US-Dollar seit einem Handelsabkommen 2016 zollfrei. Die Ware wird daher in Tijuana so gepackt, dass jedes einzelne transportierte Stück unter diesem Wert liegt. Der Hintergrund: Durch die von Ex-US-Präsident Donald Trump auferlegten Strafzölle für Waren aus China sei der direkte Handel zwischen beiden Ländern für E-Commerce-Unternehmen zu teuer geworden, so Chua. Die Zoll-Klausel biete für Amazon ein Schlupfloch.

„Superausgebeutete Arbeitskräfte“ zur Ausweitung des Amazon-Monopols

„Das wertvollste Unternehmen der Welt, dessen Besitzer zum Spaß ins Weltall geflogen ist, entwickelt eine Anlage in einem Slum in Tijuana, nutzt superausgebeutete Arbeitskräfte und eine Klausel, um Waren steuer- und kontrollfrei einzuführen, um sein Einzelhandelsmonopol auszuweiten, während die Arbeitnehmer 60-Stunden-Wochen, obligatorische Überstunden und bestrafende Megaschichten leisten?(...) Das ist Kapitalismus“, kritisiert die Wissenschaftlerin. Der Twitter-Beitrag wurde bislang rund 13.000 Mal geteilt.

Das sagt Amazon zu der Kritik

Auf Nachfrage von Amazon Watchblog erklärt ein Sprecher von Amazon dazu, dass Amazon in Mexiko mehr als 15.000 Arbeitsplätze im ganzen Land geschaffen habe, davon 250 in Tijuana. „Dies sind gute Jobs mit wettbewerbsfähigen Gehältern und Zusatzleistungen für alle unsere Mitarbeiter. Unsere Löhne und Sozialleistungen stärken die Gemeinden und Regionen. Die Investitionen helfen diesen Gebieten zu wachsen und eine bessere Zukunft aufzubauen.“ Zu den Zoll-Tricksereien hat das Unternehmen keine Stellung bezogen.

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner