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Die Arbeitsbedingungen von Amazon wurden in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Nun wollen die Aktionäre dem Online-Händler offenbar stärker auf die Finger schauen: Ein neuer Antrag soll Amazon dazu verpflichten, mehr Informationen offenzulegen.

angeketteter Mann
© Tijana - Fotolia.com

Derzeit muss sich Amazon mit vier Aktionärsanträgen auseinandersetzen. Einer davon ist dem Unternehmen offenbar ein besonderer Dorn im Auge, denn er fordert, dass mehr Informationen über die Arbeitsbedingungen und die Verletzung von Menschenrechten im Unternehmen offengelegt werden. Amazon soll laut dem Antrag dazu verpflichtet werden, einen Bericht über unternehmensinterne Vorgänge zu veröffentlichen, um „potenzielle und tatsächliche Gefährdungen der Menschenrechte in Amazons komplettem Geschäftsbetrieb und der Lieferkette umfassend zu identifizieren und zu analysieren“.

Arbeitsbedingungen: Hitzschlag und Erschöpfung unter den Mitarbeitern

So argumentieren die Antragssteller, dass Amazons Geschäftsmodell signifikante Risiken für die Einhaltung der Menschenrechte biete. „Amazons Fokus auf immer größere Ziele und Effizienz in seinen Fulfillment-Zentren hat Berichten zufolge signifikante gesundheitliche Probleme für seine Angestellten verursacht, darunter Hitzschlag und Erschöpfung“, zitiert eCommerceBytes den Antrag. Auch die vermeintlichen Verstöße in Deutschland prangert der Antrag an – so habe Amazon hierzulande eine Zeitarbeitsfirma beauftragt, die Löhne einbehalten und Zeitarbeiter in „überfüllten und ungeeigneten Unterkünften“ untergebracht.

Die Aktionäre argumentieren weiter, dass Amazon mitunter Zulieferer nutzt, die nicht den örtlichen Mindestlohn zahlen. Zudem soll das Unternehmen nicht in der Lage sein, die Herkunft einiger technischer Bestandteile seiner Kindle-Produkte genau feststellen zu können.

Jeff Bezos zeigte Fotos einer großen Klimaanlage

Amazon widersprach den Vorwürfen des Antrags. Man sei darauf konzentriert, die Menschenrechte im gesamten Geschäftsbetrieb zu achten. „Wir arbeiten eng mit unseren Zulieferern zusammen, um die Arbeitsbedingungen stetig zu verbessern“, so das Unternehmen. „Wir sind darauf bedacht, ein sicheres und faires Arbeitsumfeld für all unsere Mitarbeiter weltweit zu bieten. Jede Beschwerde über die Arbeitsbedingungen bei Amazon oder jeder vermeintliche Verstoß gegen Gesetze werden eingehend untersucht.“

Angesichts dieses Vorgehens sei es deshalb auch nicht notwendig, einen solchen Antrag zu stellen oder ihm gar stattzugeben, betont der Online-Händler. Deshalb fordert Amazon die Aktionäre auch auf, gegen den Antrag zu stimmen. Jeff Bezos hatte im Jahr 2012 zuerst auf Medienberichte über die Arbeitsbedingungen bei Amazon reagiert. Damals zeigte der Konzernchef auf der Aktionärsversammlung ein Foto von einer großen Klimaanlage, die im Lager installiert wurde – um dem Bericht zu widersprechen, dass die Mitarbeiter in großer Hitze arbeiten müssten.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers