Im bayerischen Memmingen will Amazon größere Logistik-Pläne umsetzen. Widerstand kommt dabei nicht nur von Gemeinden.

Amazon Standort
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Amazon hat ein Auge auf Memmingen geworfen. In der schwäbischen Stadt, die auch als „Tor zum Allgäu“ gilt, will Amazon ein neues Verteilzentrum errichten. Für ein entsprechendes Projekt am Allgäu Airport sei nach Angaben der Augsburger Allgemeinen bereits ein Bauantrag beim Landratsamt in Mindelheim eingereicht worden.

Neben der Errichtung eines neuen Logistikzentrums soll Amazon vor Ort auch Pläne rund um die Luftfracht verfolgen, wobei der Flughafen Allgäu für Frachtflüge genutzt werden soll. Konkret gehe es demnach um zehn Frachtflüge, die ab 2028/29 pro Woche durchgeführt werden sollen. Alles in allem umfassen diese Pläne rund 140 neue Arbeitsplätze, die entstehen sollen. Das anvisierte Frachtverteilzentrum solle zudem für mindestens 15 Jahre gemietet werden, heißt es weiter.

Sorgen um Verkehrslage

Über Amazons Pläne am Flughafen Memmingen habe sich der Unterallgäuer Kreisausschuss im Rahmen einer Stellungnahme geäußert. Deutliche Ablehnung ließ etwa die betroffene Gemeinde Memmingerberg über ihren Bürgermeister Alwin Lichtensteiger verlauten: „Wir lehnen das Projekt ab, weil es deutliche Abweichungen von den bisherigen Festlegungen für das Gebiet gibt“, wird er zitiert. 

So verwies er etwa auf die vermeintliche Nichteinhaltung von Baugrenzen oder ein nur mangelhaftes Verkehrskonzept, welches im Zuge der Pläne vorgelegt wurde. Er befürchte, dass die Lastwagen und Transporter von Amazon den Verkehr im Raum weiter belasten und für mehr Rückstaus sorgen könnten. Auch nächtliche Arbeiten bleiben indes nicht unkritisch beäugt: Vor rund einem Jahr habe Amazon die Zusammenarbeit mit bis zu 15 Speditionen bzw. Logistikunternehmen angekündigt. Diese würden etwa beim Transport der Waren zum Verteilzentrum helfen, was rund 27 Lkw-Fahrten pro Nacht verursachen würde.

Auch Umweltschäden werden befürchtet

Ebenfalls kritisch steht der Bund Naturschutz dem Flughafen-Projekt gegenüber. Landeschef Richard Mergner bezeichnete den Warentransport via Flugzeug als die „mit Abstand umweltschädlichste Form des Gütertransports“, weshalb man das Vorhaben des Konzerns ablehne. „Wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen wollen, müssen wir jetzt den Güterverkehr auf die Schiene verlagern.“ Die Organisation ließ gegenüber dem Luftamt Südbayern eine Aufforderung verlauten, das Konzept nicht zu genehmigen. Im Falle einer positiven Rückmeldung der Behörde prüfe der Bund Naturschutz den Einsatz rechtlicher Mittel.

Widerstand regt sich überdies auch vonseiten anderer Unternehmen, die im Raum aktiv sind: Fakt-Motion beispielsweise, das am Flughafen ein Zentrum für autonomes Fahren errichtet hat, wirft Amazon vor, „kein innovativer Betrieb“ zu sein und nicht an den Standort zu passen.

/ Geschrieben von Tina Plewinski




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