Verdi sammelte in Mecklenburg-Vorpommern Erfahrungen von ausländischen Amazon-Fahrern. Diese klagen unter anderem über Arbeits- und Wohnbedingungen.

Amazon Protest
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Die Gewerkschaft Verdi hat aus ihren Ende Oktober eingerichteten Beratungsstellen vor den Amazon-Zentren in Rostock und Neubrandenburg jede Menge Vorwürfe von bei Amazon-Subunternehmern beschäftigten Fahrern erhalten. Die durch die Gespräche mit vor allem arabischen und rumänischen Fahrern aufgekommenen Missstände sind so immens, dass Verdi dort am Black Friday eine weitere Kontakt-Aktion organisiert, berichtet der Nordkurier. Amazon wehrt sich indes gegen die Vorwürfe. Dem Unternehmen lägen keine Beschwerden an den beiden Standorten vor. 

Kritik an Amazon-Lieferpartnern in Mecklenburg-Vorpommern

Silvia Reichert, Gewerkschaftsführerin bei Verdi, erklärt gegenüber dem Nordkurier, was einige der interviewten Fahrer berichteten. „Wenn wir hören, dass bei Schäden an Paketen und Fahrzeugen Lohn einbehalten wird, unabhängig davon, ob ein Verschulden vorliegt, oder wir hören, dass in Dreiraumwohnungen bis zu sechs Personen leben und jeder dafür 300 Euro Miete bezahlt, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs und es gibt akuten Handlungsbedarf.“ Beschäftigte Fahrer klagten außerdem, unter falschen Versprechungen günstiger Arbeitsbedingungen nach Deutschland gelockt worden zu sein. 

Amazon liegen keine Beschwerden vor

Doch Amazon sieht sich nicht in der Verantwortung, schließlich seien alle Subunternehmen vertraglich verpflichtet, sich an geltende Gesetze sowie die Vertragsklauseln zu halten, wie ein Sprecher erklärte. Ob die Subunternehmen diese über Umwege umgehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist dabei erst einmal außen vor. In Bezug auf die aktuell vorliegenden Vorwürfe um die Standorte Rostock und Neubrandenburg lägen dem Unternehmen keinerlei Beschwerden vor, betonte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Nordkurier. Sonst würde man „sofort dagegen vorgehen“.

Die von Verdi zum Black Friday ausgerufenen Streiks mit dem Slogan „Make Amazon Pay“ sollen weiter Druck gegen das Unternehmen aufbauen. Im August kamen dank einer ZDF-Reportage die desaströsen Arbeitsbedingungen bei einem bayrischen Subunternehmen ans Licht. Die Beweislast war so stark, dass Amazon das Unternehmen letztlich verklagte. Solche Beispiele zeigen letztlich, dass öffentlicher Druck sehr wohl eine Wirkung erzeugen kann. Vor kurzem kam außerdem heraus, dass Amazon in den USA Trinkgelder von Fahrern unterschlug

/ Geschrieben von Ricarda Eichler




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