Deutschlands Amazon-Chef Ralf Kleber verteidigt den Online-Riesen gegen vielfältige Kritik und stellt Forderungen an die neue Ampel-Regierung.

 Ralf Kleber
Ralf Kleber / © Amazon

Im Interview mit dem Handelsblatt äußert sich Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber zur steten Kritik an dem US-Riesen, möglichen neuen Projekten in Deutschland und was Amazon von der neuen Ampel-Regierung fordert.

„Warum sollten wir?“ – Das sagt Kleber zur Gewerkschaftskritik

Die Themen Arbeitsbedingungen und Lohn bei Amazon und die seit Jahren immer wieder brodelnde Kritik daran, u. a. von der Gewerkschaft Verdi, ist ein Dauerbrenner. Kleber wehrt jedoch die Forderung nach einem Tarifvertrag und höheren Löhnen ab: „Warum sollten wir? Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Mitarbeitern, wir tun alles, um der beste Arbeitgeber zu sein: vom Lohn bis zur Arbeitssicherheit. Dass eine Gewerkschaft ihrer Gewerkschaftsarbeit nachkommt, überrascht uns nicht. Das gehört dazu, wie es im Winter Eis und Schnee gibt.“

Man könne sich immer noch verbessern, über 90 Prozent der Mitarbeiter würden Amazon als sehr guten Arbeitgeber bewerten, so Kleber. Amazon zahle derzeit einen Lohn von mindestens 12 Euro brutto und bietet weitere Zusatzleistungen wie Boni und beschränkte Mitarbeiteraktien.

Ampel-Regierung soll neues Gesetz zur Retouren-Spende schaffen

Auch wegen der massenhaften Vernichtung von Retouren stand Amazon immer wieder unter Beschuss. Der Anteil der zerstörten Ware liege jedoch im Promillebereich, versichert Kleber. Es würden nur Artikel vernichtet, „die aus Gründen der Hygiene oder der Produkthaftpflicht nicht mehr verkauft werden dürfen“. Für Amazon-Händler bestehe außerdem das Problem, dass sie bei einer Spende solcher Retourenware Umsatzsteuer zahlen müssen und eine Spende somit teurer wäre als die Vernichtung – ein altbekanntes Problem.

„Viele kleine Händler können sich das schlicht nicht leisten“, kritisiert Kleber und fordert von der künftigen Regierung eine neue Regelung. „Seit Jahren machen wir das Bundesfinanzministerium darauf aufmerksam, diese Situation endlich zu ändern. Wir hoffen, dass die neue Regierung jetzt diesen Hemmschuh beseitigt.“

So sollen Amazon-Händler retournierte Ware einfacher spenden können

Die neue Ampel-Regierung geht im Koalitionsvertrag bereits darauf ein. Dort wird auf S. 166 angekündigt: „Wir werden bestehende steuerrechtliche Hürden für Sachspenden an gemeinnützige Organisationen durch eine rechtssichere, bürokratiearme und einfache Regelung beseitigen, um so die Vernichtung dieser Waren zu verhindern.“

Amazon-Läden in Deutschland?

Viele neue Amazon-Projekte werden zunächst im Mutterland USA getestet – etwa die vielen unterschiedlichen stationären Läden, die Amazon entwickelt und betreibt. Ob, wann und wie etwa Amazon Go oder andere Konzepte auch nach Deutschland kommen, ließ Kleber offen. „Nichts ist undenkbar. Wir haben selten etwas komplett ausgeschlossen.“ In den USA habe man mit der Biokette Whole Foods, die Amazon gekauft hatte, einen optimalen Partner gefunden. „Was Deutschland anbelangt, melden wir uns, wenn es etwas zu verkünden gibt“, sagt Kleber.

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner

Kommentare

#1 Frank2 2021-12-06 11:30
Zerstörte Waren im Promillebereich , das glaub ich gern. Alleine ein großer amerikanischer Versanddienstle ister wickelt an einem Normalen Tag mind. 15 Tausend Rücksendungen nur in Deutschland ab. Diese werden alle in Tüten transportiert, da Tüten bekanntlich weder Waren noch die Verkaufsverpack ungen schützen kann man davon ausgehen, dass mindestens 50% nicht mehr in den Verkauf bei Amazon gehen, sondern entweder vernichtet werden oder wenn se Glück haben ein zweites Leben in einem anderen Land oder als B Ware bekommen.



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