Eine Studie hat die Zusammensetzung von Amazons Einnahmen analysiert. Demnach spielt das Unternehmen mit Händlergebühren mittlerweile mehr Geld ein als mit dem Cloud-Geschäft.

Amazon Gebäude
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Amazon versuche, die konkrete Zusammensetzung der eigenen Einnahmen zu verschleiern – so lautet das Fazit von Stacy Mitchell, Autorin der Studie „Amazon’s Toll Road“, vom Institue for Local Self-Reliance (ILSR). Amazons Cloud-Sparte AWS werde zwar als einer der Hauptumsatztreiber des Unternehmens gehandelt – diese erzielt dieses Jahr voraussichtlich 61 Mrd. US-Dollar. Doch inzwischen hätten die Marketplace-Gebühren, die Amazon von Drittverkäufern bzw. Händlern erhebt, samt Werbeeinnahmen der Untersuchung zufolge deutlich höhere Relevanz: Diese würden sich voraussichtlich auf 121 Mrd. US-Dollar belaufen. Das bedeute, Verkäufer überlassen dem Unternehmen inzwischen etwa 34 Prozent Provision. 2014 lag dieser Anteil noch bei 19 Prozent. 

Der Anteil der Einnahmen aus den Marktplatz- und AWS-Gebühren am Gesamtumsatz nimmt zudem zu: 2014 erzielte Amazon noch 77 Prozent aus Direktverkäufen, aus Gebühren waren es lediglich 19 Prozent. 2021 verschiebt sich der Anteil hin zu 53 Prozent aus Direktverkäufen und 41 Prozent aus Gebühren. Diese und weitere Annahmen würden dem ILSR zufolge nahelegen, dass das Gebührengeschäft aktuell schneller als jeder andere Geschäftszweig von Amazon wachse. 

Einnahmen Amazon Marktplatz, Grafik des Institute for Local Self-Reliance, Amazon's Toll Road, 12/2021 (CC BY-NC-ND)
Institute for Local Self-Reliance, Amazon's Toll Road, 12/2021 (CC BY-NC-ND)

Amazon: Report ist ungenau

Amazon erklärte gegenüber TechCrunch, dass die Angaben des Reports ungenau seien. Ein Teil der Einnahmen, die als Gebühren deklariert werden, enthalte zusätzliche Services, die Händler optional dazu buchen könnten, heißt es. Die Gebühren selbst seien indes mit denen anderer Anbieter wettbewerbsfähig.

Wie Studienautorin Mitchell aber innerhalb des Reports weiter ausführt, sind diese Zusatzdienste teilweise nicht wirklich optional, sofern die Händler auf dem Marktplatz eine Chance haben wollen, von Kunden wahrgenommen zu werden. So würden die Amazon-Algorithmen vermeintlich Händler, welche Amazons Fulfillment-Dienst nutzen, vorteilhafter positionieren. Auch ohne zusätzlich geschaltete Werbeanzeigen ist es schwer, die eigenen Produkte ansprechend zu positionieren und sich gegenüber anderen Händlern, aber auch gegenüber Amazon selbst, behaupten zu können. 

Gebühren federn andere Geschäftszweige von Amazon ab

Eine weitere Behauptung der Studie ist, dass durch den massiven Anstieg in gebührenbedingten Einnahmen ein großer Teil an Amazons anderen Geschäftszweigen überhaupt erst möglich gemacht wird. So decken die Einnahmen aus den Prime-Mitgliedschaften mitnichten die Kosten des kostenlosen Versandmodells oder der Film- und Serienlizenzen ab. Diese einkalkulierten Verluste würden wiederum durch die Händler-Gebühren abgefedert.

Auch Amazons eigenen Handel sieht Mitchell durch diese Einnahmen unterstützt. So kann Amazon Produkte des täglichen Bedarfs zu extrem günstigen Preisen anbieten, da sie letztlich auf diese Einnahmen nicht angewiesen sind. Damit sichert sich das Unternehmen eine Monopolstellung, die sich in vielen Fällen sogar auf die Händler auf dem eigenen Marktplatz niederschlägt, da diese wiederum sehen müssen, wie sie an der Stelle mithalten können – und auf gekaufte Platzierungen und ähnliche Dienste zurückgreifen. Ein Teufelskreis. 

/ Geschrieben von Ricarda Eichler