Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass der Versand von Büchern an einen gesetzlichen Mindestpreis zwischen zwei und fünf Euro gebunden werden soll. Amazon versucht, die Einführung aber zu verhindern.

Französischer Buchladen
Massimo Santi / shutterstock.com

Wie Reuters berichtet, soll es dabei am 25. August ein Treffen zwischen David Naggar, Vizepräsident Bücher und Kindle bei Amazon, und der französischen Kulturministerin Roselyne Bachelot gegeben haben. Dabei soll Naggar vorgeschlagen haben, die Kosten für den Buchversand freiwillig auf 1,80 bis zwei Euro anzuheben, wenn dafür der Gesetzesentwurf verworfen würde. Aktuell versendet Amazon in Frankreich Bücher für nur einen Cent — ein eher symbolischer Preis, welcher lediglich das Verbot des kostenlosen Buchversandes umgeht. In Frankreich gilt seit dem Lang-Gesetz von 1981 eine Buchpreisbindung, um es auch kleineren Händlern zu ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein unmoralisches Angebot

Die Senatorin Laure Darcos war zwar bei dem Treffen am 25. August persönlich nicht anwesend, bestätigte aber, dass ihr das gleiche Angebot bei einem separaten Treffen mit Amazon Public Affairs Director Yohann Bernard unterbreitet wurde. 

„Sie waren bereit, die Versandkosten außerhalb der Premium-Mitgliedschaften auf 1,80 - 2 Euro anzuheben, um sich damit den Versandkosten anderer Produkte mehr anzunähern. Die einzige Bedingung dafür: das Verwerfen unseres Gesetzesentwurfes, damit andere Buchhändler davon nicht profitieren würden“, sagte Darcos gegenüber Reuters.

Der vorgeschlagene Preis würde immer noch den durchschnittlichen Versandpreis anderer Anbieter von fünf bis sieben Euro unterbieten. Somit würde Amazon weiterhin in der Lage sein, günstigere Preise als andere Anbieter zu bieten und so weiterhin seine Marktanteile halten.

Amazon kommentiert Angebot nicht

Auf Nachfrage von Reuters wurden weder das Treffen noch dessen Inhalt durch Amazon bestätigt. Was das Unternehmen jedoch bestätigte, ist, dass 40 Prozent seiner Buchverkäufe in Frankreich in ländlichen Gegenden getätigt würden, in welchen es keine lokalen Buchhändler gebe. Somit sind nach Ansicht Amazons Frankreichs Buch-Liebhaber am Ende die Opfer des Gesetzes, denn diese müssten die gesteigerten Versandkosten schließlich in Kauf nehmen.

Das Gesetz, welches weiterhin auf dem Weg ist, soll am 16. Dezember erneut im Senat diskutiert werden. Wie Connexion France ausführt, ist es eher unwahrscheinlich, dass Amazon oder andere Akteure die Verabschiedung noch verhindern können. Bereits im Oktober verabschiedete die Assemblée nationale den Gesetzesentwurf einstimmig. 

/ Geschrieben von Ricarda Eichler




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