Amazon-Mitarbeiter in den USA bekommen mehr Rechte, was ihre gewerkschaftliche Organisierung angeht.

Mitarbeiter im Lager
Blue Planet Studio / Shutterstock.com  

Ein kleiner Schritt zu mehr gewerkschaftlichem Engagement bei Amazon? Die US-Arbeitsbehörde NLRB (National Labor Relations Board) hat mit Amazon einen Vergleich geschlossen, der den Online-Riesen zwingt, seinen Mitarbeitern mehr Rechte bezüglich gewerkschaftlicher Organisation zuzugestehen, wie npr.org berichtet. Ein Experte erwartet, dass das dem Kampf der Gewerkschaften gegen Amazon neuen Auftrieb geben könnte.

Amazon muss mehr informieren – und darf sich nicht an Mitarbeitern rächen

Das sind einige der neuen Regeln im Detail:

  • Amazon muss seine Logistik-Mitarbeiter per E-Mail über ihre Vereinigungsrechte informieren und diese Informationen mindestens 60 Tage in den entsprechenden Lagern aushängen.

  • Amazon darf keine „Vergeltungsmaßnahmen“ wie Disziplinarmaßnahmen gegen Beschäftigte ergreifen, die außerhalb der Arbeitsstätte oder in ihrer Freizeit über eine gewerkschaftliche Organisierung diskutieren. Amazon verpflichtet sich ebenfalls dazu, nicht die Polizei zu rufen, wenn Mitarbeiter „ihr Recht auf gewerkschaftliche oder geschützte konzertierte Aktivitäten wahrnehmen, indem Sie mit Ihren Kollegen außerhalb der Arbeitsbereiche während der Arbeitszeit sprechen“.

„Wichtige Zusage von Amazon an Millionen Beschäftigte in den USA“

„Unabhängig davon, ob ein Unternehmen zehn oder eine Million Mitarbeiter hat, muss es sich an den National Labor Relations Act halten. Diese Vergleichsvereinbarung ist eine wichtige Zusage von Amazon an Millionen seiner Beschäftigten in den Vereinigten Staaten, dass es deren Recht auf kollektives Handeln zur Verbesserung ihres Arbeitsplatzes durch die Gründung einer Gewerkschaft oder andere kollektive Maßnahmen nicht einschränken wird“, erklärte Jennifer Abruzzo vom NLRB. Falls Amazon die Bedingungen bricht, ist für die Behörde nun außerdem eine Klage leichter möglich.

Kent Wong, Direktor des UCLA Labor Center, sieht in dem Vergleich einen möglichen grundlegenden Wandel bei Amazon: „Amazon hat stets eine starke gewerkschaftsfeindliche Haltung eingenommen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die gewerkschaftliche Organisierung dort wie auch bei anderen Unternehmen.“

Derzeit laufen überdies die Vorbereitungen für die Wiederholung der Gewerkschafts-Wahl im Logistiklager Bessemer. Die Amazon-Mitarbeiter dort hatten gegen einen Beitritt gestimmt, die Gewerkschaft RWDSU (Retail, Wholesale and Department Store Union) war wegen zweifelhafter Methoden gegen das Ergebnis vorgegangen – und bekam Recht. 

In einem ausführlichen Interview mit Amazon Watchblog erläutert Sabrina Apicella unter anderem, warum deutsche Amazon-Angestellte an Streiks teilnehmen oder nicht und wie die Lage in Deutschland ist.

/ Geschrieben von Markus Gärtner




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