Bei Amazon USA kommt es zu 6,8 schweren Verletzungen pro 100 Arbeiter – mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt der Branche.

Unfall in Lager
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Die Bedingungen in den Amazon-Logistiklagern stehen immer wieder in der Kritik: Stress, niedrige Löhne und harte Arbeit – und auch die Gefahr für Verletzungen ist hoch, wie eine neue Studie zeigt. Das Strategic Organizing Center (SOC), eine Initiative aus vier Gewerkschaften, hat in seinem Bericht „The Injury Machine“ die gemeldeten Unfälle bei Amazon analysiert und kommt zu einem schlechten Ergebnis, wie cnbc.com berichtet.

Im Schnitt kam es im Jahr 2021 bei derartigen Logistik-Unternehmen zu 3,3 schweren Verletzungen pro 100 Arbeiter – bei Amazon war die Rate mit 6,8 mehr als doppelt so hoch. Das Problem ist nicht neu: Amazon selbst hat erst Ende Januar eine eigene Statistik veröffentlicht, bei der die Verletzungsrate in den Lagern ebenfalls über dem Schnitt liegt (siehe Infokasten). 

Kritik an Amazon: Leistungsdruck und mangelnde Sicherheit

Die Gründe dafür sollen unter anderem in dem hohen Leistungsdruck und auch Amazons mangelndem Engagement in Sachen Sicherheit liegen, kritisiert die SOC. „Die Fakten zeigen, dass Amazon trotz aller Bemühungen in der Öffentlichkeitsarbeit nicht genug für die Sicherheit der Arbeiter tut.[...] Amazon könnte sich dafür entscheiden, das Arbeitstempo zu verlangsamen oder den Druck durch seine bedrückenden Überwachungssysteme zu verringern. Doch nachdem das Unternehmen dies im Jahr 2020 getan hatte, um Sicherheitsvorkehrungen für die Pandemie zu treffen, kehrte es 2021 weitgehend zu seinen alten Systemen von Überwachung und Druck zurück – was sich in den Verletzungsdaten widerspiegelt“, heißt es im Fazit des Berichts.

Amazon selbst hatte sich 2021 das Ziel gesetzt, die Verletzungsrate innerhalb von fünf Jahren zu halbieren und dafür rund 300 Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben. Immer wieder verweist der Online-Riese darauf, den „sichersten Arbeitsplatz der Welt“ bieten zu wollen. Doch gegen etwaige Gesetzesvorschläge – etwa zur Verringerung der Leistungsvorgaben – geht Amazon vor.

 

Das sagt Amazon zu der schlechten Verletzungsrate

In einer Erklärung verwies Amazon-Sprecherin Kelly Nantel auf die Job-Offensive während der Corona-Pandemie: So sei es dadurch zu einer Zunahme der meldepflichtigen Verletzungen zwischen 2020 und 2021 gekommen. „Obwohl wir noch mehr Arbeit vor uns haben und nicht zufrieden sein werden, bis wir in Sachen Sicherheit hervorragend sind, machen wir weiterhin messbare Verbesserungen bei der Reduzierung von Verletzungen und der Sicherheit der Mitarbeiter und schätzen die Arbeit aller unserer Mitarbeiter und der Sicherheits-Teams, die zu diesen Bemühungen beitragen“, sagte sie. 

Die Autoren des SOC-Berichts sind deutlich pessimistischer in ihrem Fazit: „Die Verletzungsrate des Unternehmens wird mit ziemlicher Sicherheit alarmierend hoch bleiben, es sei denn, Arbeitnehmer, Regulierungsbehörden und andere zwingen Amazon dazu, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, um seine Arbeitsplätze sicherer zu machen.“

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/ Geschrieben von Markus Gärtner