Der Geschwindigkeits-Wettkampf in einem Amazon-Logistikzentrum am Ostersonntag sorgt derzeit für Kritik. Denn den Gewinn empfanden viele offenbar als wenig wertschätzend. 

Amazon-Karton in Nahaufnahme
Kraft74 / Shutterstock.com

Sonntag ist Ruhetag und selbst Amazon ist es hierzulande gerichtlich untersagt, Mitarbeiter in den Logistikzentren arbeiten zu lassen. Erst recht, wenn es sich – wie beim Ostersonntag – um einen gesetzlichen Feiertag handelt. Allerdings sieht das in einigen Ländern ganz anders aus, denn anderswo mussten Mitarbeiter aus der Logistik auch an den Osterfeiertagen arbeiten.

Um diesen Angestellten das Arbeiten angenehmer zu gestalten, veranstaltete das Unternehmen am Ostersonntag offenbar eine Art Gewinnspiel – für das der Konzern nun deutliche Kritik einstecken musste. 

Wasser und Süßes für mehr Leistung, aber nicht garantiert

Das Gewinnspiel in Amazons Logistikzentrum war nicht als grundsätzliches Dankeschön für alle arbeitenden Mitarbeiter an Ostern angedacht, sondern sollte die Logistik-Teams zu mehr Leistung antreiben und nur die Schnellsten belohnen. Als Belohnung für gute Leistungen wurden Wasserflaschen und Chipstüten angepriesen.

Wie ein Foto, das über Twitter geteilt wurde, zeigt, begrüßte Amazon die entsprechenden Mitarbeiter mit folgender Nachricht: „Danke an alle, die am Ostersonntag gekommen sind.“ Und: „Jeder mit einer Picking-Rate von mehr als 310 nimmt an einer Verlosung eines Snack-Pakets teil (Wasser/Soda und eine Süßigkeit oder eine Tüte Chips nach Wahl). Viel Glück an alle und DANKE“, war auf dem Bildschirm der Mitarbeiter zu lesen. Das heißt, dass den Angestellten selbst bei hoher Geschwindigkeit und Leistung kein Dankeschön garantiert war.

In welchem Logistikzentrum das Gewinnspiel genau veranstaltet wurde, geht aus dem Tweet allerdings nicht hervor.

Kritik auch von Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders 

Der Wert des Snack-Pakets soll sich nach Angaben von fortune.com um die zwei Dollar bewegt haben. „Ein Betrag, der im Vergleich zu der stündlichen Ausbeute von Amazon-Gründer Jeff Bezos eine Welle des Spotts [...] auslöste“, heißt es weiter.

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders reagierte beispielsweise über Twitter mit scharfer Kritik auf die Amazon-Aktion und verwies dabei zugleich auf die Notwendigkeit einer Gewerkschaft für die Mitarbeiter: „Unternehmensgier bedeutet, dass Jeff Bezos jede MINUTE um 152.000 Dollar reicher wird, eine 500-Millionen-Dollar-Yacht und ein 175-Millionen-Dollar-Anwesen in Beverly Hills besitzt, während Amazon-Mitarbeiter, die am Ostersonntag mehr als 10 Stunden gearbeitet haben, das ,Glück‘ haben könnten, eine 2-Dollar-Snackpackung zu gewinnen. Ja. Amazon-Mitarbeiter brauchen eine Gewerkschaft.“

Auch viele andere reagierten verärgert oder ironisch auf die Osteraktion. Während einige darauf verwiesen, dass es sich Amazon ohne Probleme leisten könne, jedem Mitarbeiter, der am Ostersonntag arbeitet, eine komplette Mahlzeit zu spendieren, antworteten andere mit Hohn, dass Amazon zumindest „Danke“ gesagt hätte – und zwar in Großbuchstaben. Unter den Antworten finden sich auch höhnische Bilder oder Kommentare, dass die Aktion eine gewisse Verachtung widerspiegle, die den Angestellten zuteil werde. Im entsprechenden Tweet heißt es: „Sag mir, dass du nichts als Verachtung für deine Angestellten empfindest, ohne es direkt zu sagen“. 

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/ Geschrieben von Tina Plewinski