US-Wissenschaftler kritisieren, dass Amazon Alexa-Daten für personalisierte Werbung nutzt und fordern mehr Transparenz.

Alexas
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Einige Alexa-Nutzer kennen vielleicht das ungute Gefühl nach dem Gespräch mit Amazons smarter Assistentin: Was passiert eigentlich alles mit den gesammelten Daten und Aufzeichnungen? Amazon könnte die Informationen unter anderem dafür nutzen, den Alexa-Besitzern auf sie zugeschnittene Werbung auszuspielen, kritisiert jetzt eine Forschungsgruppe verschiedener US-Universitäten. Das IT-Portal The Register hat über die Studie mit dem doppeldeutigen Namen „Your Echos are Heard“ berichtet. Echo ist die Geräte-Familie von Smart Speakern aus dem Hause Amazon.

Amazon verstoße gegen eigene Datenschutzrichtlinien 

Die Forschungsgruppe hat den Amazon Echo untersucht und getestet. Das Fazit: „Die Ergebnisse zeigen, dass Amazon-Echo-Benutzerinteraktionen sowohl von Amazon als auch von Drittanbietern verfolgt werden, Amazon die Interaktionen von Amazon Echo für das Ad-Targeting auf der Plattform (z. B. Audio-Werbung) und außerhalb der Plattform (z. B. Web) nutzt, und in vielen Fällen verstoßen sowohl Amazon als auch Skills gegen ihre eigenen Datenschutzrichtlinien (oder bieten erst gar keine Datenschutzrichtlinien an).“ Mit Skills werden die Alexa-Funktionen bezeichnet, die von externen Programmierern gebaut werden. 

Amazon soll Alexa-Daten mit über 40 Unternehmen teilen

Die Forscher haben unter anderem herausgefunden, dass Amazon die Interaktionsdaten seiner Smart Speaker mit bis zu 41 Werbepartnern teilen soll. Werbung für Alexa-Nutzer soll demnach deutlich teurer sein. Für Amazon-Nutzer, die viel mit ihren Smart Speakern reden, erhalte Amazon demnach bis zu 30 Mal höhere Werbeangebote von werbenden Unternehmen.

Das sagt Amazon zu der Studie

Amazon hat zu der Studie Stellung genommen und verschiedene Punkte zurückgewiesen. In der Erklärung heißt es: „Viele der Schlussfolgerungen dieser Forschung basieren auf ungenauen Schlussfolgerungen oder Spekulationen der Autoren und spiegeln nicht genau wider, wie Alexa funktioniert.“ So werde der Werbepreis etwa auch von anderen Faktoren beeinflusst. Auch verkaufe Amazon keine Daten und teile keine Alexa-Anfragen mit Werbenetzwerken.

Die Forscher fordern mehr Kontrolle für die Nutzer und Transparenz über den Gebrauch der Sprachassistenten, die dazugehörigen Plattformen sowie über die Drittanbieter. „Die Weitergabe von Nutzerdaten über die ursprüngliche Plattform hinaus ins Internet ist besonders alarmierend, ebenso wie die Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien – die, wie wir zeigen, in ihrem Geltungsbereich begrenzt, vage und oft sogar für Dritte nicht existent sind“, warnen die Wissenschaftler.

Die Alexa-Tester schlagen unter anderem eine Neugestaltung der entsprechenden Smart-Speaker-Plattform sowie externe Audits und Kontrollen vor. Auch eine Begrenzung der Sprachinteraktionsdaten könnte helfen. „Wir können die Weitergabe dieser zusätzlichen Daten begrenzen, indem wir die Funktionen der Alexa-Plattform zur Erkennung und Transkription von Wachwörtern mit Offline-Tools auslagern (...).“ Das sei ohne Funktionsverlust möglich. 

In Deutschland arbeitet das Unternehmen PriVeta an einer Art Alexa-Abhörschutz.

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/ Geschrieben von Markus Gärtner