Die Weitergabe persönlicher Kundenvideos durch die Amazon-Tochter Ring steht in der Kritik. 

Smarte Video-Türklingeln der Amazon-Tochter Ring
BrandonKleinPhoto / Shutterstock.com

In den USA hat Amazon erst vor wenigen Wochen bestätigt, dass die hauseigene Sicherheitsfirma Ring in bedrohlichen Situationen private Aufnahmen von Ring-Überwachungskameras an die Polizei weitergibt – und zwar ganz ohne Zustimmung der Nutzer. Dies geschehe nach Angaben des Konzerns genau dann, wenn „eine unmittelbare Todesgefahr oder die Gefahr einer ernsthaften körperlichen Verletzung einer Person“ bestünde.

Nun schwappt die Diskussion um die Weitergabe solcher sensiblen Aufnahmen auch nach Deutschland: Denn auch hierzulande soll Ring bereits private Überwachungsaufnahmen der smarten Geräte ohne richterlichen Beschluss an Behörden weitergegeben haben, heißt es beim Tech-Portal Golem.

Genaue Zahlen lässt Amazon für Deutschland offen

„Wenn die Strafverfolgung eine unmittelbare Bedrohung nachweisen kann und die Zeit drängt“, würden entsprechende Aufnahmen an Behörden gereicht, habe ein Sprecher von Amazon auf Nachfrage des Handelsblattes bestätigt. Allerdings kämen solche dringlichen Vorfälle bzw. Anträge nur selten vor. Eine genaue Zahl teilte das Unternehmen allerdings nicht mit. 

Als die Diskussion um die Video-Weitergabe kürzlich in den USA entbrannte, gab Amazon hingegen tiefere Einblicke und sprach Amazon von insgesamt elf Notfällen, in denen Aufnahmen allein in diesem Jahr ohne Zustimmung der Nutzer an Strafverfolgungsbehörden übermittelt wurden.

Amazon könnten Bußgelder drohen

Ganz unkritisch ist das Vorgehen von Amazon aus rechtlicher Sicht nach hiesigen Standards jedenfalls nicht: „Wenn ein Unternehmen Daten seiner Kunden – zum Beispiel Vertragsdaten oder Videoaufnahmen – an Ermittlungsbehörden herausgibt, ohne dazu verpflichtet zu sein, läuft es Gefahr, die Kunden in ihren Rechten zu verletzen“, wird Stefan Brink, der Landesdatenschutzbeauftragter aus Baden-Württember, von Golem zitiert. Betroffene Kunden könnten sich demnach bei der Datenschutz-Aufsichtsbehörde beschweren. Dann drohen im Fall der Fälle nicht nur Untersagungen, sondern auch Bußgelder und Schadensersatzpflichten.

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/ Geschrieben von Tina Plewinski




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