Kein Erbarmen für Amazon: Mit dem Versuch, eine Klage abweisen zu lassen, kommt der Konzern offenbar nicht durch.

Amazon-Prime-Logo auf einem Karton
shawn_hempel / Depositphotos.com

Verbraucherschützer werfen Amazon vor, irreführende Geschäftspraktiken eingesetzt sowie Kundinnen und Kunden mit Blick auf das hauseigene Abo-Programm Prime manipuliert zu haben. Deshalb muss sich der Konzern in den USA vor Gericht verantworten. Allerdings hatte er indes versucht, die bestehende Klage abweisen zu lassen – vergeblich. Ein Richter in Seattle hat den Antrag Amazons auf Abweisung der Klage am Dienstag abgewiesen, berichtet Reuters.

Was wird Amazon vorgeworfen?

Laut der US-Behörde FTC (Federal Trade Commission), die sich nicht nur mit dem Wettbewerb auf dem Markt, sondern auch mit dem Verbraucherschutz auseinandersetzt, hat Amazon „Millionen von Verbrauchern ohne deren Zustimmung für seinen kostenpflichtigen Dienst Amazon Prime angemeldet“. 

Nicht nur eine versehentliche oder unbeabsichtigte Anmeldung bei Prime habe Amazon demnach in Kauf genommen oder gar forciert. Mithilfe manipulativer beziehungsweise irreführender Benutzeroberflächendesigns – in der Fachsprache sogenannte „Dark Patterns“ – habe Amazon Verbraucherinnen und Verbraucher auch dazu verleitet, „sich für automatisch verlängerte Prime-Abonnements anzumelden“, so die FTC weiter. Weiterführend wird Amazon zur Last gelegt, es Prime-Mitgliedern erschwert zu haben, ihre Abonnements zu kündigen.

Im Rahmen der entsprechenden Klage, die im Juni 2023 eingereicht wurde, fordert die US-Behörde neben zivilrechtlichen Strafen auch eine einstweilige Verfügung. Auf dieser Basis soll Amazon daran gehindert werden, auch künftig Verstöße zu begehen und die Kundschaft zu manipulieren.

Amazon widerspricht den Vorwürfen

Amazon selbst sieht sich den Vorwürfen offenbar grundlos ausgesetzt: Der Konzern verfolgte das Ziel, die Klage abweisen zu lassen. Zur Begründung berief er sich darauf, dass er die Prime-Mitglieder „deutlich und wiederholt“ auf die zentralen Abo-Bedingungen, wie Preise und automatische Verlängerungen, hingewiesen zu haben. Amazon sprach von einer Art Bestrafung des Konzerns, die die FTC anstrebe.

Nach „erheblichem Druck“ von außen hatte Amazon den Kündigungsprozess seines Prime-Mitgliedschaftsprogramms schließlich angepasst. Doch auch die Neugestaltung stellt die Verbraucherschutzbehörde offensichtlich nicht zufrieden: „Amazon verlangt immer noch fünf Klicks auf dem Desktop und sechs auf dem Handy, damit Verbraucher bei Amazon.com kündigen können“, zitiert Reuters aus der Beschwerde. Im kommenden Februar soll der Fall vor Gericht verhandelt werden.

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

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Geschrieben von Tina Plewinski




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