Aus der US-Politik regt sich Kritik an Amazons Preisgestaltung seit der Pandemie. Die Kritik dürfte Teil des aktuellen Wahlkampfes sein.

US-Dollar-Note mit einem Amazon-Lächeln
Erstellt mit DALL-E

Amazon wird in den USA aggressives Gewinnstreben vorgeworfen. Allein ist der Online-Gigant in dieser Position aber nicht: Die US-amerikanischen Einzelhandelsriesen Walmart und Target sehen sich dieser Anschuldigung ebenfalls ausgesetzt. 

Urheber der Kritik ist ein Senator aus dem Bundesstaat Pennsylvania, Bob Casey. Dieser hatte sich in Briefen kürzlich an die genannten Unternehmen gewandt und darin seine Befürchtungen zum Ausdruck gebracht, „dass die Preisentscheidungen der Einzelhandelsriesen seit der Pandemie von aggressivem Gewinnstreben“ getrieben sein könnten und diese potenzielle Gier zulasten der amerikanischen Bürgerinnen und Bürger gehe.

Casey moniert ein Phänomen, das er „Gierflation“ nennt

Insbesondere die Jahre der Pandemie rückte Casey bei seinen Ausführungen ins Zentrum. Dabei untermauerte er seinen Standpunkt CNBC zufolge mit konkreten Zahlen: Im Zeitraum vom 30. Juni 2020 bis 30. Juni 2022 hätten die Unternehmensgewinne in den Vereinigten Staaten Zuwächse um satte 75 Prozent verzeichnet – damit seien sie etwa fünfmal so schnell gestiegen wie die Inflation. 

Konkret habe Amazon die Gewinne im entsprechenden Zeitraum um 61 Prozent – und damit am stärksten von den drei Konzernen – vorantreiben können. Deutlich geringer fielen die Zuwächse bei den Konkurrenten aus: Bei Target habe das Plus immerhin noch bei 31,7 Prozent und bei Walmart bei 10 Prozent gelegen.

Die deutlich gestiegenen Unternehmensgewinne sieht Casey als Beleg dafür, dass Amazon, Walmart und Target „Nutznießer“ einer Entwicklung seien, die er als „Gierflation“ bezeichnet. Während die US-Konzerne stark von dem Phänomen profitierten, liegen die Mehrkosten für eine durchschnittliche Familie in Pennsylvania demnach bei knapp 7.000 US-Dollar. Wie sich diese Durchschnittszahl zusammensetze, wird in dem Bericht allerdings nicht erläutert.

Auch Preiswucher wird angedeutet

Auf etwaige Vergehen der Unternehmen müssten Konsequenzen folgen: „Die Amerikaner verdienen es, faire Preise zu zahlen und die Unternehmen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie arbeitende Familien ausnutzen“, wird der Politiker zitiert. 

Im Zuge eines späteren Interviews mit NBC News verschärfte Casey seine Kritik noch weiter und stellte die Frage in den Raum, ob möglicherweise sogar Preiswucher vorgelegen habe. Es müsse, so seine Forderung, „ein gewisses Maß an Druck und Abschreckung für diese explodierenden Preise“ geschaffen werden. „Wenn sie nicht an der Preistreiberei beteiligt sind, dann haben sie nichts zu befürchten.“

Ursachen für steigende Preise sind komplex

Während Casey die Gier von Konzernen als Grund oder zumindest Treiber gestiegener Marktpreise sieht, sind die konkreten Ursachen der Entwicklung grundsätzlich noch strittig. Viele Ökonomen verweisen dem Bericht von CNBC zufolge auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren – etwa die Auswirkungen geschwächter oder gebrochener Lieferketten, resultierende Engpässe oder auch steuerpolitische Maßnahmen in Zeiten der Pandemie.

Dass der Politiker Bob Casey die führenden US-Unternehmen gerade zu diesem Zeitpunkt anmahnt und die Bedürfnisse und Folgen für die US-Bürgerinnen und -Bürger ins Zentrum des Interesses stellt, darf auch als Wahlkampfmaßnahme gewertet werden. Der Demokrat befinde sich derzeit in einem engen Stechen um eine Wiederwahl.

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Geschrieben von Tina Plewinski




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