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Man hofft ja immer auf Gerechtigkeit und Chancengleichheit, doch in der Realität sieht es ganz anders aus. Fressen und gefressen werden. Auch Amazon zeigt Präferenzen bei verschiedenen Marken und gewährt diesen gewisse Vorteile gegenüber anderen. Fairness sieht anders aus.

Weißer Hai
© willtu - Fotolia.com

Die Studie zur bevorzugten Behandlung

Eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts L2 soll nach Angaben von Bloomberg erschreckendes beweisen, was vielen Online-Händlern aber vielleicht schon klar war. Die Studie mit dem Titel „Great White Shark“, welche gestern erschien, hat demnach herausgefunden, dass Amazon gewissen Unternehmen Privilegien verschafft, wenn diese mit dem Online-Händler kooperieren.

Product Listings - Distribution Strategy
© L2 Think Tank „Great White Shark“

Initiiert wurde die Studie durch Anfragen von Unternehmen, die verstehen wollten, wie Amazon funktioniert und was eine Partnerschaft für das Unternehmen bedeuten würde. L2 hatte daraufhin über Monate mit einer speziellen Software 30.000 Angebote auf Amazon von über 315 Marken unterschiedlicher Bereiche untersucht. Anschließend wurde solche, die direkte Verkaufs-Deals mit Amazon haben, mit denen verglichen, die kein Abkommen mit dem Online-Händler getroffen haben.

Privilegien für wenige statt Chancengleichheit bei Amazon

Diese Kooperationen zwischen Amazon und Markenherstellern beinhalten ungewöhnliche Vereinbarungen, die Unternehmen wie Burberry oder Levi Strauss & Co. die Möglichkeit bieten, über die Verkaufswege ihrer Artikel auf dem Marktplatz zu entscheiden. Dadurch werden nicht nur unkooperative Markenhersteller, sondern auch Drittanbieter benachteiligt und deren Verkäufe über den Marktplatz begrenzt. Als Beispiel nennt Bloomberg die Marken Ralph Lauren und Levi’s. Während nach Stand von April über 9.000 Artikel von Ralph Lauren über Wiederverkäufer verfügbar sind, findet sich kein einziges Produkt von Levi’s unter den Drittanbietern. Nun raten Sie mal, wer einen speziellen Vertrag mit Amazon hat.

Kein Kommentar

Keines der Unternehmen wollte Stellung dazu beziehen und vor allem Amazon ist darauf bedacht, keine Details über solche Deals an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Daher ist nicht bekannt, was das Unternehmen es sich kosten lässt, solche Privilegien zu verteilen. Fakt ist aber, dass einigen Markenherstellern keine Wahl bleibt, als mit dem Online-Händler zu kooperieren, wenn sie gesonderte Konditionen erhalten wollen. Schließlich beansprucht Amazon allein in den USA ein Viertel aller E-Commerce-Verkäufe.

Wie stark der Online-Gigant tatsächlich ist, hatte sich erst vor kurzem im Verlagsstreit bewiesen, der anscheinend noch immer kein Ende gefunden hat. Amazon verlangt selbst seit geraumer Zeit günstigere Konditionen für E-Books von verschiedenen Verlagen und erpresst diese, indem Bücher bestimmter Verlage nicht vorbestellbar oder nicht lieferbar sind.

Die erschreckenden Ergebnisse

Die Amazon-Studie von L2 umfasst 53 Seiten und kommt zu dem Ergebnis, dass die Partnerhersteller von Amazon Privilegien erhalten, von denen andere nur träumen dürfen. Dazu zählt, dass nur halb so viele Angebote von Produkten der Partner über Wiederverkäufer zu finden sind, als bei Nicht-Partnern. Außerdem werden Artikel kooperierender Markenhersteller sichtbarer präsentiert und auch die gesamte Darstellung von deren Auftritt auf Amazon wirkt attraktiver.

Amazon hatte seine Marktplatz-Funktion im Jahr 2000 eingeführt, doch viele Unternehmen sind die Wiederverkäufer von Markenware ein Dorn im Auge. Grund genug für Amazon besonders im Bereich Fashion und Kosmetik die Angebote der Drittanbieter einzuschränken und den Markenherstellern Kooperations-Möglichkeiten zu präsentieren.

Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmen Procter & Gamble, das sich durch die Zusammenarbeit mit Amazon Vorteile gegenüber Unilever verschaffen konnten. Nicht nur haben deren Produkte eine höhere Sichtbarkeit, sondern hatte Amazon dem Unternehmen auch mit einem Aktionsgutschein Vorteile verschafft. Dieser ging an Kunden, die 15 US-Dollar Rabatt auf einen 50-Dollar-Einkauf von „ausgewählten Haushaltsprodukten“ erhielten. Die „ausgewählten“ Produkte kamen alle von P&G.

Ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können

Wieder einmal schockieren Amazons Geschäftspraktiken und Unternehmen stehen vor einer schwierigen Entscheidung, Amazons verlockendes, aber skrupelloses Angebot anzunehmen oder nicht. Zwar werden dadurch auch Unternehmen benachteiligt, die nicht kooperieren, aber die wirklichen Verlierer in diesem Spiel sind letztendlich die kleineren Händler.

So wie es aussieht könnte Amazon auch bald völlig von seinem Marktplatz Abschied nehmen und nur noch über den Direktvertrieb profitieren. Je mehr Markenhersteller den Pakt mit Amazon schließen, desto wahrscheinlicher wird diese Option. Noch wehren sich einige Unternehmen gegen solche Geschäfte, doch wie lang wird es dauern, bis sie der Versuchung nicht mehr wiederstehen können?

Weitere Informationen zur Studie, die Möglichkeit zum Download für L2-Mitglieder und ein Video mit der Studien-Übersicht, gibt es auf L2 Think Tank.



Kommentare

#1 Reinhard 2014-08-11 16:00
Ja, das ist nichts wirklich neues. Zum Beispiel im Bereich Unterhaltungsel ektronik macht Sonos sowas. Es ist den authorisierten Sonos Händlern untersagt bei Amazon zu verkaufen (bei ebay sowieso). Selbstverständl ich hat Amazon alle Sonos Produkte im Programm, selbstverständl ich zum Teil günstiger als der Listenpreis. Wir werden von Sonos angeschissen wenn wir im eigenen Shop unter den UVP bleiben. Ich hab mit Sonos immer wieder Probleme was ebay und Amazon angeht, ich hab denen auch mit Wettbewerbsklag en gedroht, denn es ist rechtlich natürlich inzwichen höchst umstritten ob ein Hersteller die Plattform verbieten darf. Die lapidare Antwort auf solche Dinge: dann beliefern wir sie ganz einfach nicht mehr, das haben sie auch mehrfach gemacht.
Marketplace gibts nur solange, solange Amazon einen Vorteil hinsichtlich der Produktbreite sieht. Alle Artikel die sich gut verkaufen nimmt Amazon über kurz oder lang sowieso selbst ins Programm



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