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Amazon treibt sein Anzeigengeschäft weiter voran – nicht immer zum Vorteil des Kunden, wie ein aktuelles Beispiel zum Prime Day zeigt.

Amazon-Seite mit Lupe auf Prime Day
dennizn / Shutterstock.com

Amazons Prime Day soll dem Marktplatz und seinen Händlern im Idealfall jedes Jahr neue Rekordumsätze und Höchstwerte in allen Bereichen bescheren. Doch um an diesem Hauptverkaufstag überhaupt gesehen zu werden, könnte zusätzliche Werbung auf Amazon wichtig sein. Amazon hat einige Unternehmen daher vorher angefragt, ob diese ihre Werbe-Ausgaben zum Prime Day mal eben verdoppeln, berichtet cnbc.

Amazon rät zu Verdoppelung des Werbe-Etats

Das ergibt jedoch nicht für alle Händler Sinn, wie ein Fall zeigt, von dem Debbie Ellison von der Marketingagentur Geometry U.K. berichtet. „Einer unserer Konsumgüter-Kunden wurde kürzlich von Amazon gebeten, sein Budget um mindestens 100 Prozent zu erhöhen, um sicherzustellen, dass er in dieser wichtigen Verkaufsperiode keine Marktanteile verliert.“ Das Problem an dem Vorschlag: Der Verkauf von Konsumgütern des täglichen Bedarfs spielt am Prime Day keine besondere Rolle. Zum Prime Day 2018 kamen die meistverkauften Produkte aus den Bereichen Spielzeug, Beauty und Computer/Elektronik. Unternehmen, die ihre Werbeausgaben erhöhen, kommen dementsprechend meist aus diesen Bereichen. Diese könnten dann aber auch eine Umsatzsteigerung zwischen 50 und 60 Prozent erzielen, ergänzt Ellison. In dem genannten Fall hätte Amazons Vorschlag aber die Gesamtmarge des Händlers verschlechtert – die Agentur riet ihrem Kunden daher davon ab.

Anzeigen seien eine „verschleierte Extra-Nutzungsgebühr“

Generell wird das Geschäft mit Werbung für Amazon immer wichtiger – und größer. 2019 sollen allein aus dem Anzeigengeschäft rund 13,3 Milliarden US-Dollar kommen, für 2020 werden 16,8 Milliarden US-Dollar erwartet, so eine Prognose von Bloomberg. Für die Kolumnistin Shira Ovide sind Amazons Anzeigen aber mittlerweile eine „verschleierte Extra-Nutzungsgebühr“, die Händler zahlen müssen, um überhaupt auf dem Marktplatz gesehen zu werden. Denn die Anzeigen erscheinen natürlich oben über den Suchergebnissen, die meisten Nutzer klicken kaum weiter in der Ergebnisliste. Wer also als Händler nicht zahlt, rutscht möglicherweise ins Niemandsland des organischen Rankings ab. „Es ist etwas Perverses daran, an Amazon eine Art Steuer zu bezahlen, um sicherzugehen, dass dein Produkt auf Amazon gesehen wird“, kritisiert Ovide.

Andererseits berichtet die Redakteurin selbst von Gesprächen mit Unternehmen, die Anzeigen buchen und die mit den daraus folgenden Einnahmen zufrieden sind. Die Werbung spielt also genug wieder ein. Auch eine Feedvisor-Studie besagt, dass drei Viertel der befragten Unternehmen mit Amazons Werbemöglichkeiten zufrieden seien. Die Studie ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Feedvisor Online-Händler zum Verkauf via Amazon berät.

/ Geschrieben von Markus Gärtner