Logo amazon Watchblog

Amazon will den schwedischen Markt aufrollen. Ein Grund für schwedische Unternehmen, sich wie die Lemminge zu opfern?

 

Eine Schaufel im Dreck
Yulia Moiseeva / Shutterstock.com

Über den Einstieg von Amazon in die skandinavischen Staaten wie Dänemark oder Schweden wurde in den vergangenen Jahren häufig spekuliert. Und nicht nur das: Es wurde auch gebangt und gefürchtet… 

Im Jahr 2017 ging der CEO des Vergleichsdienstes Pricerunner, Nicklas Storåkers, sogar so weit, einen potenziellen Start von Amazon als wirtschaftliches Horrorszenario – geradezu als Dystopie – zu beschreiben: „Dann sind wir alle tot. Alle E-Commerce-Player werden unter Amazon zum Sklaven, und es bleibt uns kein Platz mehr“, kommentierte er damals.

In Schweden ist alles ein bisschen anders

Während es also schwedische Branchenteilnehmer gibt, für die dieser Schritt einen Albtraum darstellt, ist für US-amerikanische, deutsche, britische oder französische Unternehmen der alltägliche Machtkampf auf dem Marktplatz von Amazon seit Jahren Alltag. An der schier unumstößlichen Marktmacht von Amazon ist hierzulande nicht zu wackeln und viele haben sich mit den Nachteilen und Problemen längst arrangiert, um zumindest von den Vorteilen (wie der gigantischen Reichweite) profitieren zu können.

Dass der schwedische Markt aber ganz anders funktioniert als beispielsweise der deutsche, zeigen verschiedene Faktoren. Zunächst einmal sollten die weite Wildnis Schwedens und die abgeschiedenen Landschaften nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um ein hochgradig digitalisiertes Land handelt. In Schweden betrug der Anteil der Internetnutzer im vergangenen Jahr laut Eurostat 98 Prozent. In Worten: ACHTUNDNEUNZIG Prozent! Selbst in Deutschland liegt dieser Wert noch zehn Prozent drunter.

Logistik? Definitiv nicht einfach!

Obwohl es flächenmäßig das drittgrößte Land der EU ist (nach Frankreich und Spanien), leben vergleichsweise wenige Menschen in Schweden – es gehört sogar zu den am dünnsten besiedelten Staaten in der Europäischen Union. Während sich im Süden des Landes noch einige größere Städte und Ballungsräume finden (z. B. Stockholm, Malmö oder Göteborg), wird es einwohnertechnisch immer karger, je weiter man sich gen Norden bewegt.

Dieser Umstand gab zwar der Etablierung des Internets, digitaler Kommunikationswege und des Online-Shoppings ordentlich Rückenwind, verursacht allerdings zugleich auch lange Lieferzeiten für Pakete. Mehrere Tage oder Wochen sind durchaus keine Seltenheit. Für Amazon-verwöhnte Deutsche ein absolutes No-Go.

So… und das Fazit? 

Amazon ist deshalb so erfolgreich, weil der Konzern genau weiß, was Menschen wollen: ein breites Angebot, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine schnelle Lieferung und einen guten Kundenservice. Darin ist Amazon top. Und das kann der Konzern auch in Schweden offerieren. Kein Problem. Aber Amazon ist besonders gut, wenn es um Metropolen und Ballungsräume geht, denn hier kann der Internetriese sein volles Potenzial entfalten – inklusive eigener Lieferanten, taggleicher Lieferung und in krassen Fällen sogar einer Lieferung innerhalb von zwei Stunden.

Aber Schweden ist anders. Der E-Commerce-Markt ist gut durchdrungen. Die Wege weit. Amazon ist nicht gut im Scheitern. Das sieht man an den gigantischen Erfolgen. Dass jedoch wirklich alles zu Gold wird, was Amazon anfasst, ist damit nicht gesagt. Auch Amazon ist schon gescheitert: mit Eigenmarken, mit Services und selbst Länder gibt es, in denen es für Amazon hakt (siehe Schweiz).

Die Tage für Nicklas Storåkers und andere schwedische Händler sind also noch lange nicht gezählt. Packt die Schaufeln weg! Denn nur, weil Amazon Amazon ist, heißt das nicht, dass sich der Konzern nicht in jedem Markt aufs Neue neu beweisen muss!

/ Geschrieben von Tina Plewinski





Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Captcha aktualisieren

Anchor Top

 
 
banner