Wucherpreise sind und bleiben ein Problem im Handel. Auch bei Amazon. Das schadet nicht nur dem Konzern selbst, sondern auch Händlern und Kunden.

 

Mann schüttelt Geld aus den Taschen eines anderen Mannes
FGC / Shutterstock.com

Wenn es etwas gibt, das Amazon kann, dann seine Kunden mit hervorragenden Services und Angeboten zu betüddeln. Allerdings gibt es auch etwas, das Amazon irgendwie nur schwer in den Griff zu bekommt scheint – und das ist Preiswucher.

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Sobald ein Produkt aus irgendeinem Grund massiv in der Nachfrage steigt und dabei in der Verfügbarkeit knapp wird, kann man förmlich darauf warten, dass innerhalb kürzester Zeit einige Anbieter versuchen, den Reibach zu machen. Auch auf Amazon. In welchem Ausmaß, kommt natürlich immer auf die Umstände an.

Schutzmasken und Playstation 5 als Paradebeispiele

Gerade zu Beginn der Coronakrise wurde deutlich, dass Preiswucher nicht immer ein Einzelfall ist: Im Frühjahr 2020 waren Produkte wie Desinfektionsmittel oder Schutzmasken ein extrem knappes Gut und wurden von Amazon-Händlern zu teils exorbitanten Preisen angeboten: Beispielhaft waren Atemschutzmasken für 200 Euro oder eine kleine Flasche Desinfektionsmittel für 120 Euro. Amazon selbst gab an, damals Zehntausende Artikel allein in Deutschland gelöscht zu haben.

Ein noch aktuelleres Beispiel ist die Playstation 5. Mit vor Aufregung schwitzenden Händen und Schweißperlen auf der Stirn wurde die neue Spielekonsole von Gaming-Fans erwartet. Als sie dann Ende 2020 auf den Markt kam, konnte man gar nicht so schnell gucken, da war sie ausverkauft. Seither finden sich bei Amazon regelmäßig Anbieter, die die Spielekonsole – die je nach Variante original zwischen 399 und 499 Euro kostet – unter anderem für knapp 1.300 Euro oder mehr verkaufen. Da blutet nicht nur das Portemonnaie, sondern auch die Moral!

 

Screenshot: PS5-angebot bei Amazon
Amazon, Screenshot

Preiswucher ist doch nur eine Bagatelle, oder nicht?!

Höhere Preise bei steigender Nachfrage und knappem Angebot sind selbstverständlich in einem gewissen Rahmen normal. Wenn allerdings ein Produkt auf einmal fast das Dreifache des eigentlichen Neupreises kostet, dann ist das in der Regel weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt.

Jetzt könnten kritische Nachfragen lauten: „Dürfen Händler jetzt nicht mehr ihre eigenen Preise festlegen?“ Die Antwort lautet „Jein.“ Natürlich darf jeder Händler selbst festlegen, für welchen Preis er ein Produkt feilbietet. Allerdings setzt der Gesetzgeber hier auch Grenzen: Das Bürgerliche Gesetzbuch beschreibt beispielsweise sittenwidrige Geschäfte, wenn dabei Preis und Produkt in einem offensichtlich unangemessenen Verhältnis stehen.

Wenn der Wille zu schwach ist…

Selbst strafrechtlich können solche Anbieter belangt werden, denn laut Strafgesetzbuch (§ 291) drohen bei solchen Geschäften Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. Konkret heißt es: „Wer die Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche WILLENSSCHWÄCHE eines anderen [...] ausbeutet“, verstößt gegen geltendes Recht.

Und man muss sagen: Sony hat alles daran gesetzt, die Gamer im Vorfeld der PS5-Veröffentlichung willensschwach zu machen, weichzuklopfen und quasi anzufixen. Dass einige dann tatsächlich schwach werden und in einem Anflug von Verzweiflung das Dreifache für die Daddelkiste zahlen… Nun, das mag mehr oder weniger verständlich sein. Was es allerdings definitiv ist: Schlecht für alle. Schlecht für seriöse Händler, die selbst auf Nachschub warten und von Preiswucherern ausgestochen werden. Schlecht für Kunden, die mehr zahlen, als sie eigentlich müssten. Schlecht für Amazon, da das Image leidet und die Seriosität dazu. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in den erbosten Nutzerkommentaren unter solchen Angeboten:

 

Kommentare zu einem überteuerten PS5-Angebot auf Amazon
Screenshot Amazon

Amazon verweist auf eigene Richtlinien

Dass sich solche Angebote trotzdem immer wieder finden lassen, ist traurig. Auf Anfrage rund um Preiswucher zur PS5 verwies Amazon auf seine hauseigenen Regeln, die besagen, dass Händler auch bei der Preisgestaltung das Kundenvertrauen nicht schädigen dürfen. Natürlich ist es für Unternehmen mit einem so gigantischen Sortiment schwierig, alles im Blick zu behalten. Doch Amazon ist Vorbild und Vorreiter in so ziemlich allem, was E-Commerce betrifft. Dass Wucherpreisen dabei irgendwie nicht beizukommen ist und gierige Wucherer immer wieder durchs Raster flutschen, nervt einfach nur!

/ Geschrieben von Tina Plewinski


Kommentare

#2 Flompy 2021-03-16 18:51
Letztes Jahr hat amazon auf Druck des Staates einen Algorithmus implementiert, der alle Produkte mit Preisen, die als "price gouging" gelten, inaktivierte. Das war ein komplettes Desaster. Die Verkäufer waren gezwungen, mit negativem Gewinn zu verkaufen. Verkäufer konnten also gewünschte Produkte gar nicht mehr verkaufen.

Jeder hat verloren.

Nur um ein paar Bösewichte zu unterdrücken.

Nennen Sie bitte ein Beispiel für eine Situation, in der jegliche Art von Preiskontrollen zu menschlichem Wohlstand geführt hat. Sowohl die direkten Folgen als auch die unbeabsichtigte n Folgen.
#1 Harald 2021-03-16 16:54
Natürlich muss da etwas unternommen werden. Es gibt aber auch eine Kehrseite, denn leider wird das natürlich mit Algorhytmen überwacht.
Ich hatte letztes Frühjahr tolle, selbst importierte Bio-Pizzaböden einer neuen Marke, die preislich völlig korrekt im Vergleich zum Wettbewerb waren. Plötzlich wurde mir der erfolgreichste unter ihnen als Preiswucher markiert, und ich hatte nach erfolglosen Anfragen keine Wahl, als die ohnehin schon dünne Marge nochmals zu senken (wenn man die Arbeitszeit für Verpackung bei einer einzelnen Packung rechnet völlig unrentabel). Das Gleiche mit Bio Seifen, deren erster Anbieter ich war - ich verkaufe sie jetzt auf einem anderen Marktplatz. Ich hatte mich an die Preisempfehlung des französischen Herstellers gehalten, aber auch hier wurde ein Preisfehler beantstandet.



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