Ein Amazon-Händler setzt eine unzufriedene Kundin unter Druck, damit sie ihre Bewertung löscht.

Frau bewertet mit Sternen auf Smartphone
Dubo / Shutterstock.com

Der Kampf um die vorderen Plätze auf dem Amazon-Marktplatz ist hart – und nicht immer halten sich alle Anbieter an die Spielregeln. Um als Händler bei einer Produktsuche gut gerankt zu werden, bezieht Amazons Algorithmus auch die Nutzerkommentare bzw. Produktbewertungen mit ein. Ein Amazon-Händler hat in den USA versucht, schlechte Bewertungen löschen zu lassen und ist dabei aufgeflogen, wie das Wall Street Journal (Paywall) berichtet.

Prämie für Löschung einer Negativ-Bewertung auf Amazon

Die Kundin Katherine Scott war mit dem Kauf ihrer Ölsprühflasche von Auxtun unzufrieden – trotz einer vermeintlichen Durchschnittsbewertung von 4,5 Sternen von über 1.000 Kunden. Als sie eine negative Bewertung auf der Händlerseite hinterlässt, kontaktiert sie etwa eine Woche später jemand von dessen Kundenservice über ihre persönliche E-Mail-Adresse.

Das Angebot: Wenn die Kundin ihre negative Rezension wieder löscht, erhält sie ihr Geld zurück. Am Ende wird noch mehr oder weniger subtil Druck aufgebaut: „Wenn wir keine Antwort erhalten, gehen wir davon aus, dass Sie die Mail nicht gesehen haben und senden weiterhin E-Mails“, soll es in der Mail heißen. 

In einer späteren E-Mail an Scott wird ihr für die Löschung sogar Geld geboten: 20 Dollar – das Doppelte des Preises des gekauften missliebigen Ölsprühers. „Ein negativer Kommentar trifft uns sehr hart“, so der Text. Weitere Mails folgen.

Amazon-Händler verstößt gegen Nutzungsbedingungen

Das Vorgehen des Händlers ist gleich ein mehrfacher Verstoß gegen Amazons Nutzungsbedingungen: Weder das Fordern einer Löschung ist erlaubt noch der Kontakt über die persönliche E-Mail des Kunden. Scott vermutet, dass sie ihre Mail und Bestell-ID bei einem Gewinnspiel des Anbieters angegeben hatte. 

Nach Bekanntwerden des Vorfalls sperrte Amazon den Anbieter. Ein Amazon-Sprecher rät Kunden, die derartige Angebote von unseriösen Händlern bekommen, Screenshots zu machen und die Anbieter zu melden. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner

Kommentare

#3 Herbert Schulz 2021-08-14 13:16
Der Händler hat bei Amazon nur die Möglichkeit ein Kommentar abzugeben. Eine Korrektur kann beantragt werden, allerdings prüft dann eine Maschine (Algorithmus), ob die Bewertung rechtens ist. Leider arbeitet der Algorithmus nicht korrekt. Ein weiterer Einspruch ist nicht möglich. Amazon ist sehr Händlerunfreund lich.
Fehlerhafte Bewertungen (verwechselt, wollte ich garnicht, ...) können nicht korrigiert werden.
#2 Erpel 2021-08-11 10:58
"Scott vermutet, dass sie ihre Mail und Bestell-ID bei einem Gewinnspiel des Anbieters angegeben hatte. "


In welchen Zusammenhang steht diese Tatsache zum Kauf und Bewertung des gekauften Artikel von Frau Scott, Herr Gärtner?

Wenn die Kundin ihre Mail und Bestell-ID angegeben hat bei einem Gewinnspiel, dann ist die Kontaktaufnahme doch rechtlich in Ordnung.
#1 Bert Schanner 2021-08-10 14:41
Amazon wundert sich das Händler so etwas versuchen? Bis vor kurzem konnte der Händler auf eine negative Bewertung reagieren. Alle wissen, dass nicht alle negativen Bewertungen korrekt sind, so absurd es klingt, Kunden verwechseln sogar das Produkt und schreiben somit für ein völlig anderes Produkt die Bewertung. Bisher konnt man so etwas mit einem Händlerkommenta r richtig stellen. Das ist vorbei, jetzt ist der Hndler völlig der Willkühr des Kunden ausgesetzt. Arm dran, wer als Händler auf Amazon angewiesen ist.



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