Ein Amazon-Händler setzt eine unzufriedene Kundin unter Druck, damit sie ihre Bewertung löscht.

Frau bewertet mit Sternen auf Smartphone
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Der Kampf um die vorderen Plätze auf dem Amazon-Marktplatz ist hart – und nicht immer halten sich alle Anbieter an die Spielregeln. Um als Händler bei einer Produktsuche gut gerankt zu werden, bezieht Amazons Algorithmus auch die Nutzerkommentare bzw. Produktbewertungen mit ein. Ein Amazon-Händler hat in den USA versucht, schlechte Bewertungen löschen zu lassen und ist dabei aufgeflogen, wie das Wall Street Journal (Paywall) berichtet.

Prämie für Löschung einer Negativ-Bewertung auf Amazon

Die Kundin Katherine Scott war mit dem Kauf ihrer Ölsprühflasche von Auxtun unzufrieden – trotz einer vermeintlichen Durchschnittsbewertung von 4,5 Sternen von über 1.000 Kunden. Als sie eine negative Bewertung auf der Händlerseite hinterlässt, kontaktiert sie etwa eine Woche später jemand von dessen Kundenservice über ihre persönliche E-Mail-Adresse.

Das Angebot: Wenn die Kundin ihre negative Rezension wieder löscht, erhält sie ihr Geld zurück. Am Ende wird noch mehr oder weniger subtil Druck aufgebaut: „Wenn wir keine Antwort erhalten, gehen wir davon aus, dass Sie die Mail nicht gesehen haben und senden weiterhin E-Mails“, soll es in der Mail heißen. 

In einer späteren E-Mail an Scott wird ihr für die Löschung sogar Geld geboten: 20 Dollar – das Doppelte des Preises des gekauften missliebigen Ölsprühers. „Ein negativer Kommentar trifft uns sehr hart“, so der Text. Weitere Mails folgen.

Amazon-Händler verstößt gegen Nutzungsbedingungen

Das Vorgehen des Händlers ist gleich ein mehrfacher Verstoß gegen Amazons Nutzungsbedingungen: Weder das Fordern einer Löschung ist erlaubt noch der Kontakt über die persönliche E-Mail des Kunden. Scott vermutet, dass sie ihre Mail und Bestell-ID bei einem Gewinnspiel des Anbieters angegeben hatte. 

Nach Bekanntwerden des Vorfalls sperrte Amazon den Anbieter. Ein Amazon-Sprecher rät Kunden, die derartige Angebote von unseriösen Händlern bekommen, Screenshots zu machen und die Anbieter zu melden. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner