Händlerinnen und Händler sehen sich derzeit zahlreichen Hürden entgegen. Ist unter diesen Umständen ein profitables Wachstum überhaupt möglich? Branchenspezialist Johannes Kaunzner von der Amazon-Agentur AMZ-Marketing gibt im Interview Einblicke in Chancen und Möglichkeiten und verrät darüber hinaus, an welchen Stellen Unternehmen jetzt genauer hinschauen sollten.

Johanndes Kaunzner von AMZ-Marketing
Händlerbund

Amazon Watchblog: Das wirtschaftliche Umfeld ist für viele Unternehmen in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Wo liegen derzeit die größten Hürden für Händlerinnen und Händler?

Johannes Kaunzner: Viele Unternehmen spüren jetzt die Konsequenzen von ca. zehn wirtschaftlich starken Jahren. Der E-Commerce hat eine Massenadaption erfahren und viele Geschäfte haben stark fluoriert. Wer vor fünf bis zehn Jahren smart war und digitale Vertriebskanäle wie z. B. Amazon früh genutzt hat und grob wusste, was er tut, konnte mit seinen Produkten relativ schnell sehr erfolgreich werden.

Die wirtschaftliche Lage ist jetzt seit über zehn Jahren mal wieder stark angespannt. Endverbraucher vergleichen mehr und fragen sich öfter, ob sie eure Produkte überhaupt brauchen. Ganz abgesehen davon, hat mittlerweile jeder Erfahrungen im Online-Handel und die Skepsis gegenüber den immer gleichen Werbeversprechen steigt. Es spült auch viele neue Marktteilnehmer an den Markt, auch viele junge Brands, die genau das mitbringen, was aktuell vielen „alten Hasen“ fehlt.

Es fehlt meiner Erfahrung nach in den Unternehmen oft an echtem Praxis Know-how, an „Trial & Error“-Mentalität, an Zeit und an den Kapazitäten, um etwas zu ändern. Und das in Zeiten, in denen es eh schon schwerer geworden ist, Geld zu verdienen. Das ist eine Negativ-Spirale für viele Marken.

„Marken müssen aufwachen“

Ist an diesen Stellen grundsätzlich Besserung in Sicht oder sind es nachhaltige Veränderungen, die den Handel auch künftig beeinflussen werden?

Wir erleben es ja in unserem Agenturalltag, wie unser Markt im Bereich Amazon tickt. Es gibt immer Anbieter, die sich jetzt zurückziehen und abwarten. Es gibt Firmen, die gerade jetzt handeln und sich Expertise einkaufen oder intern aufbauen und es gibt Marktteilnehmer, die von der Bildfläche verschwinden.

Wann genau sich die wirtschaftliche Lage bessert, weiß niemand genau. Was wir als Unternehmen aber unter unserer Kontrolle haben, sind unsere Handlungen. Deswegen bin ich der Meinung, dass spätestens jetzt gehandelt werden muss, wenn man mit seiner aktuellen Lage unzufrieden ist. Weil als Gesellschaft kommen wir auch nicht mit besserer Wirtschaftslage wieder an einen Punkt, an dem es Rankings in Google, Amazon und Co. ohne großen Aufwand hinterhergetragen bekommt. Das sind für mich z. B. nachhaltige Veränderungen und unsere Marken müssen aufwachen und erkennen, dass der Online-Handel gemeistert werden muss und kein Kanal ist, „der für uns keine Relevanz hat“.

Welche Stellschrauben können Händlerinnen und Händler angehen, um die eigene Profitabilität kurz- oder mittelfristig zu verbessern?

Um die eigene Profitabilität kurz- oder mittelfristig zu verbessern, hilft eine Sache: die Dinge, die nicht funktionieren und es noch nie haben, nicht mehr machen und in die Dinge investieren, die nachweislich funktionieren. Das ist einfach gesagt, aber bei jedem Anbieter gibt es eigene Baustellen, die man sich intern anschauen sollte, um zielführende Entscheidungen zu treffen.

Auch harte Entscheidungen gehören dazu

Welche strategischen Fehler sollten Händlerinnen und Händler dabei vermeiden?

Händler sollten keine Entscheidungen aufgrund von Angst treffen. Ein Beispiel, das ich öfter erlebe, ist, wenn größere Werbebudgets gestrichen werden, obwohl die Ergebnisse der Kanäle ganz klar zum Profit und Wachstum der Firma beitragen.

Meiner Ansicht nach geht es um sinnvolle Einsparungen von Dingen, die seit Jahren mitlaufen und wenn man ehrlich wäre, erkennt, dass diese nur Geld kosten und sonst wenig/keinen Wert für das Unternehmen bringen. Dabei kann es sein, dass man sich Fehlentscheidungen eingestehen muss und sich ggf. von Geschäftspartnern trennen muss, was hart sein kann, aber vielleicht gerade jetzt die richtige strategische Entscheidung ist.


Nicht verpassen! – Amazon Seller Day 2023 in Berlin

Mehr zum Thema Profitabilität verrät Johannes Kaunzner beim Amazon Seller Day 2023 in Berlin. Daneben gibt es viele weitere spannende Vorträge und Best Practices – unter anderem zu Marktplatz-Strategien, SEO und Kampagnen-Optimierung, Tipps fürs Weihnachtsgeschäft und KI.

Was? Amazon Seller Day 2023

Wann? 20. Oktober 2023

Wo? Spreespeicher Berlin, Stralauer Allee 2, 10245 Berlin

Tickets: Ab 127,42 € mit dem Rabattcode Berlin15

Bonus: Alle Vorträge werden aufgezeichnet und den Teilnehmern im Nachgang zur Verfügung gestellt.

Alle weiteren Infos sowie die Tickets finden Sie hier: Jetzt Ticket sichern!

 

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Geschrieben von Tina Plewinski




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