Was müssen Amazon-Händler in Sachen Produktfotografie beachten? Der Fotograf und Art Director Reza Daie gibt Tipps. 

Frau fotografiert Produkt
Lysenko Andrii / Shutterstock.com

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte. Deswegen sollten Amazon-Händler das Thema Produktfotografie auf keinen Fall vernachlässigen und stets darauf achten, ihr Produkt mit passenden Bildern perfekt in Szene zu setzen. Reza Daie von Visual Conversion, einer Agentur, die sich auf Produktfotografie für Amazon spezialisiert hat, erklärt im Interview, welche Schritte für eine perfekte Bildergalerie befolgt werden müssen und warum Verkäufer das Mindset eines Investors benötigen.

Erzählen Sie uns kurz etwas über sich: Wer sind Sie? Was machen Sie und warum sind Sie Experte auf dem Gebiet der Produktfotografie?

Mein Name ist Reza und zusammen mit meinem Bruder Elias haben wir das Unternehmen Visual Conversion gegründet und führen es beide bis heute noch. 2017 haben wir als Händler auf Amazon angefangen und konnten dadurch viele Erfahrungen sammeln. Da wir beide selbst als Fotograf und Art Director tätig waren, haben wir uns entschieden, uns auf Produktfotos für Amazon bzw. Marktplätze im Allgemeinen zu fokussieren.

Ganz grob: Welche Richtlinien hat Amazon für Produktfotos? Was ist erlaubt und was nicht? Wie viele Bilder sollten es im Idealfall sein?

Für Amazon sollte man ein Titelbild auf weißem Hintergrund sowie fünf bis sechs Galeriebilder haben. Die genauen Richtlinien sind für jede Nische anders. Im Amazon Seller Central gibt es die genaue Beschreibung. 

Welche Bedeutung messen Sie der Auswahl des richtigen Hintergrunds für Produktfotos bei?

Generell sollte der Hintergrund an die Corporate Identity der Marke angepasst werden. Wir bevorzugen und empfehlen, viel Freiraum in den Bildern zu lassen und störende Hintergründe zu vermeiden.

Wie würden Sie das perfekte Foto für Amazon beschreiben? 

Bei einer Kaufentscheidung überlegen wir rational, aber die Entscheidung treffen wir emotional. In vielen Fällen spielt Vertrauen eine sehr wichtige Rolle und wir sind sogar bereit, mehr Geld auszugeben. Brands funktionieren genau auf dieser Grundlage. Daher müssen perfekte Bilder auf emotionaler Ebene gut funktionieren und ansprechen.

Sollte man bei Produktfotos auf Amazon auch Aspekte wie die Darstellung von Größenverhältnissen oder das Hervorheben wichtiger Produktmerkmale berücksichtigen?

Es gibt mehrere Punkte, die man beachten muss. Hier einige Tipps zu dem besseren Ablauf:

  1. Alle wichtige Informationen auf die Frames / Bilder verteilen
  2. Das Hauptbild sollte ganz klar das Produkt inklusive Zubehör darstellen.
  3. Auf den nächsten zwei Bildern die anderen Seiten des Produkts sowie den Unique Selling Point, kurz USP, zeigen.
  4. Nutzen Sie die nächsten zwei Bilder, um einige Anwendungsbeispiele mit den Einsatzmöglichkeiten des Produktes zu zeigen.
  5. Zum Schluss folgen Zubehör, Informationen über das Unternehmen etc.

Welche Bedeutung messen Sie der Konsistenz von Bildern innerhalb einer Produktliste bei, insbesondere wenn es um Farben und Stile geht?

Ein einheitliches Design schafft mehr Vertrauen und führt unmittelbar zu höheren Conversion-Raten. Wenn Kunden bei unterschiedlichen Varianten schnell erkennen können, wie das Produkt in der gesuchten Farbe oder Größe aussieht, werden sie sich schneller für einen Kauf entscheiden.

Wie können Händler mit einem begrenzten Budget arbeiten, um dennoch qualitativ hochwertige Produktbilder zu erstellen?

Aus jahrelanger Erfahrung wissen wir, dass die E-Commerce-Händler sehr genau und alles bis auf den Cent genau kalkulieren. Das ist auch richtig und gut so. Aber wenn es um die Produktbilder geht, braucht man eine Investoren-Mentalität. Was bedeutet das konkret? Viele Händler sehen nicht, wie viel Umsätze verloren gehen, wie viel effektiver die PPC-Kosten (Pay per Click) sein könnten und wie viel man bei Retouren sparen könnte. Viele Verkäufer sehen nur ihre aktuellen Zahlen und versuchen daraufhin beim Einkauf mehr zu sparen. Allerdings haben wir oft festgestellt, dass nach Optimierung der Produktbilder und einer Preiserhöhung die Produkte dennoch besser verkauft wurden. Zusätzlich hat sich das organische Ranking verbessert.   

Versucht man, die Bilder selbst intern mit Künstlicher Intelligenz oder einfachen Methoden zu machen, spart man an der falschen Stelle und kann schnell viel Umsatz verlieren. Produktbilder sind eine Investition, die sich bereits nach sehr kurzer Zeit amortisiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Geschrieben von Corinna Flemming




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