Kaum ein Märchenfilm läuft zu Weihnachten so oft im Fernsehen wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Der tschechisch-deutsche Klassiker ist dabei aber nicht nur in Deutschland beliebt, sondern verzaubert auch in anderen europäischen Ländern, wie Norwegen, große wie kleine Zuschauer.

Drei Haselnüsse
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Aus Norwegen stammt die Neuauflage des Filmes, der seit 20. Dezember auch auf Amazon Prime zu sehen ist. Der Film kommt in einem für Fans des Originals sehr traurigen Jahr, denn im Sommer 2021 verstarb Libuše Šafránková, das originale Aschenbrödel. Doch wie ihre norwegische Vertretung, die Sängerin Astrid Smeplass im Interview mit Cineasten.TV verriet, wusste Šafránková um die Neuverfilmung und wünschte dieser viel Erfolg. 

Tradition mit neuem Anstrich

Der neue Film, welcher in Norwegen unter dem Namen „Tre nøtter til Askepott“ lief, bietet nicht viel Neues, denn er hält sich generell erst einmal sehr nah ans Original. Doch was ist dann der Sinn des Ganzen, kann man sich als Fan berechtigterweise fragen.

Der Sinn ist vor allem der neue Anstrich und Glanz, welcher der Geschichte verliehen wurde. Denn junge Zuschauer haben veränderte Sehgewohnheiten. Schauspiel ist heute anders, Bildformate, visuelle Effekte – solche Faktoren machen viel aus. Bis auf die ganz großen Klassiker schauen heutzutage schließlich die Wenigsten noch Filme aus den 40er Jahren. Diese entsprechen einfach nicht mehr unseren Sehgewohnheiten. 

Um die zeitlose Aschenputtel-Geschichte um die magischen Nüsse nun auch weiterhin einem jungen Publikum schmackhaft zu machen, belebte man sie einfach neu. Das bedeutet dabei aber auch, dass bis auf wenige Änderungen alten Fans nicht wirklich etwas Neues geboten wird.

Leichte inhaltliche Anpassungen

Auf ein paar wenige Änderungen muss man sich dennoch gefasst machen. So bekommt Aschenbrödel, als es zum Jäger wird, jetzt einen schicken Schnauzer, damit man sich nicht wundert, warum der Prinz sie nicht erkennt. Die größeren Änderungen treten aber erst im Abschlussakt des Filmes in Erscheinung. So spielt der Film beispielsweise in einer Welt, in welcher auch homosexuelle Liebe existiert. Und auch Aschenbrödels Antwort auf den Antrag des Prinzen, den sie schließlich erst wenige Tage kennt, ist deutlich zeitgemäßer.

Die Änderungen sind dabei weniger inhaltlicher Natur, als dass sie die Geschichte an unsere heutige Realität anpassen. Und auch lokal wurde er natürlich verlagert und greift dabei die schöne Landschaft Norwegens auf. Die Schneelandschaft mag ans Original erinnern, aber Polarleuchten konnte das Meißener Umland damals nicht bieten.

Alles in allem ist der Film eine nett gemachte Hommage an den Klassiker. Astrid Smeplass, gerade mal 25 Jahre jung, wuchs selbst mit dem Film auf und schaut das Original nach eigener Aussage jedes Weihnachten. Ihr war dabei also sehr wohl bewusst, wie groß die Fußstapfen sind, in welche sie da tritt. In Norwegen legte der Film einen erfolgreichen Kinostart hin. Und wenn er wenigstens ein paar junge Zuschauer, die sich dem „alten Schinken“ bisher verwehrten, abholt, und diese für die Geschichte begeistern kann, dann hat der Film doch irgendwie auch eine Daseinsberechtigung, oder nicht?

/ Geschrieben von Ricarda Eichler