Amazons Live-Daten für die Bundesliga sind noch ausbaufähig: Eigentlich sollen sie den Fußball nachvollziehbarer machen – bewirkten aber beim Spieltag am vergangenen Wochenende teilweise das Gegenteil.

Marco Reus
Christian Bertrand / Shutterstock.com

Wer sich in letzter Zeit Übertragungen der Fußball-Bundesliga bei Sky angeschaut hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass unter der Ergebnisanzeige am oberen Bildrand neuerdings das Logo von Amazon Web Services (AWS) prangt. Denn seit dem 26. Mai sind die Übertragungen „powered by AWS“. Dank der Kooperation sollen dem Zuschauer interessante Live-Daten zur Verfügung gestellt werden. Die sogenannten „Bundesliga Match Facts“ werden durch Daten aus dem Live-Spiel generiert und zur Analyse zu AWS gestreamt. „Die analysierten Daten werden danach zurückgeschickt und Zuschauern in aller Welt als Echtzeitstatistiken präsentiert“, heißt es von Amazon.

So funktionieren Amazons Match Facts in der Bundesliga

Konkret gibt es zwei „Match Facts“, die dem Zuschauer im Live-Spiel präsentiert werden: Die Realformation und xGoals. Die Realformation soll den Fans vermitteln, wie die Teams die taktische Formation umsetzen. Die Expected-Goals-Technologie soll beine einem Angriff in Echtzeit die Wahrscheinlichkeit für ein Tor anzeigen. „Um die Genauigkeit von xGoals zu berechnen, wurden Machine-Learning-Modelle durch die Analyse von 40 000 aufgezeichneten Torschüssen sowie verschiedener Features, die aus Positionsdaten abgeleitet wurden, trainiert“, erklärt Amazon dazu.

Fail im BVB-Spiel: Marco Reus kann's nicht?

Ob die Daten das Spiel allerdings wirklich nachvollziehbarer machen, ist nach dem vergangenen 4. Bundesliga-Spieltag allerdings diskussionswürdig. Ein Beispiel ist das Tor des immerhin zweimaligen deutschen Fußballers des Jahres, Marco Reus, dessen Wahrscheinlichkeitsberechnung für Fragezeichen sorgt. Im Spiel zwischen Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim legte BVB-Stürmer Erling Haaland mustergültig für Reus vor, dieser musste den Ball nur noch ins leere Tor einschieben. Für Laien wie Experten eine relativ eindeutige Angelegenheit – für die Technologie hinter den Match Facts aber offenbar ein Jahrhunderttreffer, denn bei Sky wurde eine Tor-Wahrscheinlichkeit von 26 Prozent eingeblendet. Wie das System auf diesen seltsamen Wert kommt, ist unklar, denn Amazon legt nicht offen, welche Daten genau in die Berechnung einfließen.

Noch mehr Kritik: AWS-Grafiken verdecken Spiel

Ein weiterer Kritikpunkt, der Spiegel-Autor Tobias Escher zum Fazit „Daten und Bundesligaübertragungen: Gut gemeint, schlecht gemacht“ verleitet: Die Formationsgrafiken, die dem Zuschauer die Spieltaktik näher bringen sollen, verdecken einen Großteil des Bildschirms. Das wirkt zumindest unglücklich, an der Visualisierung der Daten lässt sich aber ja zumindest schrauben. Die Idee, das Spiel mittels Live-Daten transparenter und nachvollziehbarer zu machen, ist für manche Fans und Experten eine gute – an der Umsetzung müssen Amazon und die Bundesliga aber offenbar noch arbeiten.

/ Geschrieben von Christoph Pech





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