Coronastress: Amazon feuert kritische Mitarbeiter in den USA und muss in Frankreich Auflagen erfüllen, nachdem ein Gericht dem Konzern fehlenden Schutz dessen Lagerarbeiter vorgeworfen hat. Amazon hat daher dort den Betrieb vorerst eingestellt.

Amazon Lager
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Amazon kämpft mit dem Coronavirus auf mehreren Ebenen: Das Mehr an Bestellungen bringt die Logistik an ihre Grenzen, immer wieder gibt es Kritik am mangelnden Schutz der Mitarbeiter in den Logistik- und Verteilzentren. Wegen derartiger Vorwürfe hat ein Gericht in Frankreich jetzt Auflagen an Amazon gestellt. Update: Daraufhin hat Amazon den Betrieb der Verteilzentren eingestellt, wie der Spiegel berichtet. Die Mitarbeiter sollen zu Hause bleiben, werden aber weiter bezahlt. Amazon will auch gegen das Urteil vorgehen.

In den USA mussten mehrere Mitarbeiter das Unternehmen verlassen – offenbar, weil sie Amazon zu massiv kritisiert hatten, wie die Washington Post – die Jeff Bezos gehört – berichtet.

Darum feuert Amazon die kritischen Mitarbeiter

Emily Cunningham und Maren Costa, beide Web-Designerinnen bei Amazon, wurden entlassen. Amazon wirft den Mitarbeiterinnen vor, wiederholt gegen die unternehmensinterne Kommunikationspolitik verstoßen zu haben. „Wir unterstützen das Recht eines jeden Arbeitnehmers, die Arbeitsbedingungen seines Arbeitgebers zu kritisieren, aber das ist nicht mit einer pauschalen Immunität gegen jegliche interne Politik verbunden“, erklärte Amazon-Sprecher Drew Herdener.

Beide Frauen waren unter anderem Mitglieder der Gruppe „Amazon Employees for Climate Justice“, die die Klimapolitik des Unternehmens kritisierte. Amazon hatte deswegen beiden bereits vor der Coronakrise mit einer Kündigung gedroht. Zuletzt hatten die beiden Angestellten auch die Bedingungen in den Amazon-Lagern angemahnt und mehr Sicherheit für die Arbeiter während der Coronakrise gefordert. In mehreren Ländern, auch in den USA und Frankreich, gab es deswegen auch Proteste von Amazon-Lagerarbeitern. „Hier geht es um Menschenleben und die Zukunft der Menschheit. In dieser Krise müssen wir für das einstehen, woran wir glauben, Hoffnung haben und von unseren Unternehmen und Arbeitgebern einen grundlegenden Anstand verlangen, der in dieser Krise gefehlt hat“, sagte Costa in einer Erklärung.

In Minnesota kündigte Amazon dem Lagerarbeiter Bashir Mohamed, weil dieser gegen Amazons Richtlinien zur sozialen Distanzierung verstoßen habe. Mohamed hatte ebenfalls die unzureichenden Arbeitsbedingungen kritisiert. Zuvor hatte Amazon in New York aus denselben Gründen den Management-Assistenten Chris Smalls gefeuert – dieser hatte einen Streik organisiert.

Amazon Frankreich muss Sicherheit in Lagern nachbessern

Auch in Frankreich bekommt Amazon jede Menge Gegenwind. Die Gewerkschaftsgruppe „Union Syndicale Solidaires“ hatte eine Verfügung gegen den Konzern beantragt. Auch hier der Vorwurf: Amazon schütze seine Mitarbeiter in den Logistikzentren nicht genug. Die Gewerkschaft sprach von einer „sanitären und sozialen Bombe, die explodiert und 10.000 direkte Angestellte und eine Armee von Zeitarbeitern und Lieferarbeitern betrifft“. Nach einem Urteil des Gerichts im Pariser Vorort Nanterre muss Amazon jetzt nachbessern, wie Radio France International berichtet. Amazon muss in allen französischen Lagern eine Risikobewertung durchführen und darf vorerst nur noch Lebensmittel sowie Hygiene- und Medizinprodukte ausliefern, bis die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen verbessert sind. Hält das Unternehmen die vorgegebene Zeit nicht ein, könnte es teuer werden: Pro Tag Überschreitung wird eine Geldstrafe von einer Million Euro fällig. Amazon hat vorerst den Betrieb der Verteilzentren gestoppt.

/ Geschrieben von Markus Gärtner