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Kampf der Riesen: Das Fleisch-Imperium Tönnies kritisiert, dass seine Mitarbeiter mit besseren Löhnen abgeworben werden sollen. Im Verdacht steht Online-Gigant Amazon – nicht gerade bekannt für generöse Gehälter seiner Logistik-Mitarbeiter.

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© Amazon

Die Tönnies Holding, Deutschlands größtes Unternehmen für die Schlachtung von Schweinen, klagt über die vermeintliche Abwerbung von Mitarbeitern am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück. Versucht ausgerechnet Amazon bei dem stark kritisierten Fleisch-Riesen Mitarbeiter für sein im Juni eröffnetes Logistik-Zentrum in Oelde zu finden?

Direkte Abwerbeversuche von Amazon?

Von „direkten Abwerbeversuchen“ in der Region ist die Rede, wie ein Tönnies-Sprecher dem Handelsblatt sagte. Dabei seien unter anderem Flugblätter und konkrete Arbeitsangebote eingesetzt worden. Das sei „weder für andere Arbeitgeber noch für uns ein besonders freundlicher Akt“, sagte ein Tönnies-Sprecher. Der Name „Amazon“ fällt dabei aber explizit nicht – möglicherweise sind die vorliegenden Informationen nicht aussagekräftig genug und das Unternehmen will einen offenen Rechtsstreit vermeiden. 

Wann ist das Abwerben von Mitarbeitern erlaubt?

Dabei muss das Abwerben von Mitarbeitern nicht unbedingt ein rechtliches Problem darstellen, wie Melvin Dreyer, Rechts-Experte des Händlerbundes, erläutert. „Das Abwerben von Mitarbeitern anderer Unternehmen ist grundsätzlich erlaubt, da es Teil des freien Wettbewerbs ist. Werden allerdings unlautere Mitteil eingesetzt, um neue Mitarbeiter anzuwerben, kann der Fall natürlich anders liegen.“ Unter unlautere Mittel fiele etwa das Abwerben direkt am Arbeitsplatz oder eine Anstiftung zum Verstoß gegen den aktuellen Arbeitsvertrag. Zu weiteren Details einer vermeintlichen direkten Abwerbung durch Amazon ist nichts bekannt.

Amazon wirbt unter anderem in Radiospots und auf Plakaten in der Region um neue Mitarbeiter für sein neues Logistikzentrum in Oelde, das in der Nähe der Tönnies-Zentrale liegt. Dort sucht der E-Commerce-Riese zu den bestehenden 1.000 Mitarbeitern weitere 500.

Darum könnten Tönnies-Mitarbeiter zu Amazon wechseln

Amazon hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein derartiges Vorgehen wäre wohl auch gar nicht nötig: Verdi-Mitarbeiter in der Region gehen davon aus, dass viele Tönnies-Beschäftigte auch so zu Amazon wechseln könnten. Denn die Bedingungen bei Tönnies, die durch die Coronapandemie noch mehr in den Fokus geraten sind, sind schwierig: In den Fleischfabriken herrscht teils eine Temperatur von bis zu sechs Grad, ungelernte Mitarbeiter verdienen in Werksverträgen nur den Mindestlohn. Bei Amazon gibt es nach Angaben des Konzerns einen Einstiegslohn von 11,61 Euro. Diese Bedingungen seien besser als bei Tönnies, wie auch die Gewerkschaft Verdi – ironischerweise seit Jahren im Kampf für bessere Löhne bei Amazon – zugibt. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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