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Sechs Amazon-Berater sollen Mitarbeiter des Marktplatzes bestochen haben, um für ihre Händler unfaire Wettbewerbsvorteile zu erhalten. Nun wurden sie in den USA angeklagt.

Justizia
Alexander Kirch / Shutterstock.com

Im US-Bundesstaat Washington wurden sechs Personen angeklagt. Sie sollen Amazon-Mitarbeiter mit mehr als 100.000 Dollar bestochen haben, um unfaire Wettbewerbsvorteile auf dem Marktplatz des Unternehmens zu erhalten. Den sechs Beschuldigten wird nun kommerzielle Bestechung, unautorisierter Zugriff auf einen geschützten Computer, sowie Postbetrug und Online-Kriminalität vorgeworfen, erklärt die zuständige Staatsanwaltschaft.

Mindestens zehn Amazon-Mitarbeiter bestochen

Der Anklage zufolge sollen die sechs mutmaßlichen Betrüger mindestens seit 2017 durch Bestechung und Betrug Vorteile für Händler-Accounts auf dem Amazon-Marktplatz erwirkt haben. Demnach seien die sechs Personen als Berater für Third-Party-Sellers auf dem Marktplatz aktiv gewesen. Drei der Beschuldigten sollen auch selbst als Händler auf der Plattform aktiv gewesen sein. Insgesamt hätten sie Wettbewerbsvorteile im Wert von 100 Millionen US-Dollar für die Händler-Accounts erschlichen und Mitbewerbern sowie Kunden dadurch geschadet.

Bestechungsgelder sollen an mindestens zehn Amazon-Mitarbeiter geflossen sein, heißt es in der Anklage weiter. Einer der Beschuldigten habe als Kundenservice-Mitarbeiter in Indien gearbeitet und Bestechungsgelder angenommen, bevor er selbst zu einem „Berater“ wurde und dann seine ehemaligen Kollegen bestochen habe.

Händler-Konten entsperrt, Geschäftsgeheimnisse erhalten

Im Gegenzug zu den Schmiergeldern sollen die Amazon-Mitarbeiter folgende Schritte durchgeführt haben:

  • Suspendierte Händler-Konten und Produkt-Listings entsperren: Die korrupten Amazon-Mitarbeiter sollen geholfen haben, suspendierte oder gesperrte Händler und Produkt-Listings wieder zu entsperren. Dazu zählen auch Nahrungsergänzungsmittel, die aufgrund von Sicherheitsbedenken vom Marktplatz entfernt wurden oder Elektronikartikel, die plötzlich explodieren konnten. Die Händler hatte Amazon unter anderem gesperrt, weil sie Bewertungen gefälscht hatten. Nachdem die Händler und Produkte wieder entsperrt wurden, sollen sie einen Umsatz von 100 Millionen Dollar erwirtschaftet haben.
  • Angriffe gegen Mitbewerber unterstützen: Die Amazon-Mitarbeiter sollen Angriffe auf Mitbewerber der Händler unterstützt haben, indem sie Daten über deren Geschäft weitergegeben haben oder ihre Accounts gesperrt haben. Zudem sollen sie an die Berater Informationen über Amazons Algorithmus weitergegeben haben.
  • Geschäftsgeheimnisse von Amazon preisgeben: Die Mitarbeiter sollen empfindliche Daten über Amazons interne Prozesse und Algorithmen preisgegeben haben, darunter auch persönliche Kontaktdaten von Mitarbeitern und Kunden.
  • Limits für Händler-Accounts umgehen: Einige Beschränkungen für Händler-Accounts sollen ausgehebelt worden sein, darunter Lager-Limits in Amazons Warenhäusern, Zugriff auf eingeschränkte Kategorien und Beratung über die erfolgreichsten Werbekampagnen und Produkt-Listings.

Amazon zeigt sich vom Verhalten der eigenen Mitarbeiter enttäuscht

Amazon hatte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizeibehörden selbst unterstützt. Betrügerische Akteure auf dem Marktplatz „schaden der Community von ehrlichen Unternehmern, die den Großteil unserer Händler ausmachen“, wie Amazon erklärt. Das Unternehmen setze verschiedene Systeme ein, um verdächtiges Verhalten von Händlern und auch eigenen Mitarbeitern zu ermitteln. Zudem würden Teams eingesetzt, um Verdachtsmomenten nachzugehen und Fehlverhalten zu unterbinden.

„Wir sind vor allem von dem Verhalten der kleinen Gruppe von nun ehemaligen Angestellten enttäuscht und begrüßen die Zusammenarbeit mit und die Unterstützung von den Polizeibehörden, um sie und ihre Mittäter vor Gericht zu bringen“, führt Amazon weiter aus.

Die Angeklagten werden sich erstmals am 15. Oktober dieses Jahres vor Gericht verantworten müssen. Den mutmaßlichen Betrügern droht im Fall einer Verurteilung eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar sowie eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers





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